Borussia Dortmund - SC Freiburg 2 : 0

1. Ausgangslage und Aufstellung

So schwierig die letzte Saison des SC Freiburg phasenweise auch anzusehen war, gab es in ihr ein paar besondere Spiele. Streichs Freiburg hatte zuvor noch keinen Punkt gegen Dortmund geholt, kam dann aber gleich zu zwei Unentschieden in einer Spielzeit. Hinzu kam noch der erste Heimsieg gegen Leipzig in der 1. Bundesliga. Diese drei Spiele waren in ihrer Gesamtheit nicht unbedingt schön anzuschauen, da die Herangehensweise dann doch sehr defensiv war, zeigten aber, dass auch der Sportclub prinzipiell mit einer guten defensiven Organisation und zwei bis drei guten Angriffen eine kleine, aber realistische Möglichkeit hat, gegen so gute Gegner einen Punkt zu holen. Dies galt auch vor diesem Spiel, obwohl man die durchaus berechtigte Frage stellen könnte, wie viel die jetzigen Dortmunder noch mit denen der letzten Saison zu tun haben.

Worauf ich mit dieser kurzen Einleitung hinaus wollte: Durch die Erfolgserlebnisse gegen Top-Teams in der letzten Saison geht das Freiburger Trainerteam vielleicht etwas ruhiger in solche Partien und fühlt sich nicht genötigt die ganz großen Experimente wagen zu müssen, um irgendwann den ersten Punkt gegen den BVB holen zu können. So wählte der Sportclub für dieses Spiel eine verhältnismäßig defensive Herangehensweise – wie man es als normaler Bundesligist gegen Dortmund eben macht – und kümmerte sich eher um Details.

----------------Petersen----------------
---Frantz--------------Waldschmidt-
---------Gondorf----Haberer---------
Günter------------------------Stenzel
-------Heintz---Koch---Gulde-------
----------------Schwolow--------------

Freiburg scheint sich zunehmend auf die Dreierkette einzustellen. Zu Beginn der Saison wählte man sie nur als offensive Variante, wenn man in Rückstand geriet, spielte sie gegen Bremen das erste Mal von Anfang an und behielt sie jetzt auch gegen Dortmund bei, wenn auch deutlich defensiver interpretiert.
Allgemein: Das System bietet eine ganz gute Einbindung einiger (neuer) zentraler Akteure. Waldschmidt als halber und weiträumiger Außenspieler, Günter in der sehr offensiven Rolle des Flügelverteidigers, Heintz hat mehr Freiraum im Spielaufbau, Stenzel kann weiter einrücken und Koch ist ein guter zentraler Innenverteidiger. Ob Petersen, Niederlechner, Ravet und Frantz sich dabei noch besser einfinden, wird sich zeigen.

2. Der Plan gegen den Ball

Es gab hauptsächlich zwei Pressingvarianten, eine offensivere und eine defensivere.
Die offensivere Variante war ein 5-2-3: Die erste Linie versuchte kurz hinter der Mittellinie (in Dortmunds Hälfte) die beiden Innenverteidiger unter Druck zu setzen, während sich der ballferne Stürmer meistens etwas tiefer positionierte. Bei dieser offensiven Variante kam es zum Teil auch vor, dass Stenzel und Günter bis auf die Dortmunder Außenverteidiger herausrückten, wenn diese angespielt wurden. Was im Fernsehbild dann nicht mehr zu sehen war: in diesem Moment übernahmen wahrscheinlich die äußeren Innenverteidiger den offenen Dortmunder Flügelspieler. Zudem verfolgten Haberer und Gondorf situativ auch Delaney und Witsel, wenn diese sich fallen ließen, mussten dabei aber auf Reus achten, der sich ebenfalls gerne zwischen den Linien anbot. Auf eine richtige Manndeckung wurde aber verzichtet.

Konnte Dortmund das 5-2-3 überspielen und sich in die Freiburger Hälfte kombinieren, zog sich der Sportclub etwas weier zurück und agierte überwiegend im 5-4-1. Doch auch dabei versuchte man noch eine gewisse Tiefe in die Formation zu bringen, also etwas höher zu stehen. Erst, wenn Dortmund seine Flügelspieler auf Höhe der Strafraumkante ins Spiel bringen konnte, zogen sich die Freiburger sehr tief zurück und hatten dabei teilweise acht Spieler im eigenen Strafraum.

Kurzer allgemeiner Einschub zum System, da es komplizierter klingt, als es ist:
Aufgemalt wird es meisten als 3-4-3, da die beiden Außenverteidiger in Ballbesitz sehr hoch schieben. Gegen den Ball können die Außenverteidiger in die Abwehrreihe einrücken: 5-2-3. Wenn dann die beiden äußeren Stürmer die gegnerischen Außenverteidiger decken, rücken sie neben die beiden Sechser: 5-4-1. 3-4-3, 5-2-3 und 5-4-1 sind in diesem Fall also ein System mit fließendem Übergang. Wie offensiv oder defensiv die Mannschaft ist, liegt dann eher an der Umsetzung der einzelnen Spieler und teilweise auch der Dynamik eines Spielverlaufs.

3. Gute Dortmunder bleiben geduldig

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel betonte Favre, wie geduldig Dortmund in Ballbesitz die Situationen ausspielte. Besonders wichtig dafür war der momentan beste Sechser der Bundesliga: Axel Witsel, den man eben auch dann anspielen kann, wenn der Gegner ihn unter Druck setzt. Gondorf und Haberer – die sehr unangenehm sein können – versuchten immer wieder aggressiv gegen ihn in den Zweikampf zu gehen, stocherten mit den Füßen nach dem Ball, versuchten ihn mit dem Körper wegzudrängen und arbeiteten dabei leicht mit den Armen. Es war schon sehr beeindruckend, dass Witsel sich dadurch überhaupt nicht aus der Ruhe bringen ließ, den Ball abschirmte, sich drehte und dann zum Mitspieler passte. So ein Spieler verleiht der ganzen Mannschaft, die spielerisch ohnehin schon sehr stark ist, noch mehr Ballsicherheit.

Eine weitere positive Auffälligkeit der Dortmunder war ihr klarer Fokus auf das Kombinationsspiel in den gegnerischen Strafraum. Mit Götze, Alcacer und Philipp hat der BVB drei relativ kleine Stürmer im Kader und verzichtet deswegen – auch gegen sehr tief stehende Gegner – auf Halbfeldflanken in einen unterbesetzten Strafraum aus statischen Situationen heraus. Stattdessen versuchen sie von den Flügeln aus entweder durch Dribblings oder durch schnelle Kombinationen in den Strafraum zu gelangen. Dabei bieten sich Reus und Götze häufig an, um den Ball mit einem Kontakt weiterzuleiten, was nicht sehr leicht zu verteidigen ist.

Neben der Ballsicherheit im zentralen Mittelfeld und dem flachen Kombinationsspiel im letzten Drittel gibt es allerdings noch eine weitere Stärke, die (meiner Meinung nach) momentan den größten Unterschied zu dem Konkurrenten aus München macht. Dortmunds Pressing ist gut organisiert und wird sehr engagiert von den Spielern ausgeführt. Kam der Sportclub in Ballbesitz, versuchten sie sich durchaus an einem konstruktiven Spiel nach vorne. Mit einer Passquote von 80% liegt man sogar leicht über der gegen Bremen. Die Dreierkette fächerte weit auf, wodurch sie von zwei Stürmern schwerer gepresst werden kann, Schwolow wurde ins Aufbauspiel mit eingebunden und Haberer und Gondorf boten sich für kurze Pässe ins zentrale Mittelfeld an. Freiburg kam somit manchmal ins letzte Drittel, konnte sich dort aber nur sehr selten gegen gut stehende Dortmunder durchsetzen, die spätestens ab der Mittellinie sehr intensiv verteidigten und meistens schnell wieder den Ball gewannen.

4. Spielverlauf und Umstellung

Freiburg kam gut ins Spiel. In den ersten 15 Minuten hatte Dortmund zwar ein paar gute Szenen, kam aber zu keiner klaren Chance. Stattdessen musste Hakimi in ein 1-gegen-1-Duell mit Waldschmidt, der durchgebrochen war und ansonsten frei auf Bürki zugelaufen wäre. Hakimi zeigte aber, dass er kein reiner offensiver Außenverteidiger ist, rempelte Waldschmidt mit angelegten Armen zu Seite (kein Foul!) und sicherte den Ball mühelos. Im Laufe der ersten Halbzeit gewöhnte sich der BVB aber immer besser an die intensive Freiburger Gangart und konnte sein Spiel aufziehen. In der 24. Minute verpasste Götze nur sehr knapp das 1:0 nach einer scharfen Hereingabe von Sancho. In der 39. Minute war es dann wieder Sancho, der im Dribbling einfach zu schnell für Heintz war, von diesem gefoult wurde und es einen sehr berechtigten Strafstoß gab. Reus verwandelte.
Kurz darauf gab es einen Freistoß für den Sportclub, den Gondorf überraschend gut an die Unterkante der Latte setzte.

In der zweiten Halbzeit blieb Freiburg zunächst bei der defensiven Spielanlage. Wahrscheinlich hatte man den Plan den knappen Rückstand länger zu halten, um dann in der Schlussphase noch einmal ins Risiko zu gehen. Trotz einer sehr guten Chance von Reus nach Ballverlust im Strafraum (Heintz und Gondorf) ging dieser Plan auf. Wenn auch das „ins Risiko gehen“ ein 2:0 und nicht den Ausgleich zur Folge hatte.

In der 77. Minute brachte Streich Kleindienst und Höler für Petersen und Gondorf und stellte auf ein 4-4-2 um.

------Höler-------Kleinidenst----
Waldschmidt---------------Ravet
----------Koch-----Haberer-------
Günter---------------------Stenzel
--------Heintz---------Gulde------
--------------Schwolow-----------

Leider hatte die Umstellung nicht ganz den gewünschten Effekt. Mit den beiden Stürmern schaffte es der Sportclub zwar die Dortmunder Innenverteidigung etwas weiter nach hinten zu drängen und man kam in den letzten 15 Minuten sogar auf 52% Ballbesitz, konnte daraus aber keine Chancen kreieren. Nur ein Abschluss von Stenzel aus großer Distanz, der auch weit über das Tor ging, brachte Freiburg zustande. Auf der anderen Seite traf Piszczek einmal die Latte und Alcacer traf in der Nachspielzeit zum verdienten 2:0 Endstand.

5. Verdiente Niederlage, aber kein schlechtes Spiel

Ich denke, man kann sich der Beurteilung Streichs nach dem Spiel anschließen. Im letzten Drittel war Freiburg mit dem Ball nicht gut genug, um sich gegen Dortmund nennenswerte Chancen herauszuspielen. Man hatte ein paar Szenen, die fast gefährlich geworden wären und einen Lattenschuss nach schönem Freistoß von Gondorf. Gegen den Ball war Streich – meiner Meinung nach zu Recht – zufrieden mit der Leistung. Dortmund dominierte das Spiel, kam aber nur zu vier klaren Chancen. Götze nach der Sancho-Hereingabe, der Strafstoß, Reus nach dem Ballverlust im Sechszehner und das 2:0. (Piszczeks Lattentreffer resultierte ebenso, wie Gondorfs nicht unbedingt aus guten Abschlusssituationen). Insgesamt kann man bei 11:5 Schüssen (7:4 in der 1. Halbzeit) gegen den Tabellenführer recht zufrieden sein. Beim Spiel gegen Brügge, das torlos endete, kann ich mich an mehr Dortmunder Chancen erinnern. Der BVB gewinnt also verdient. Aber aufgrund einer guten Defensivleistung wäre mit ein bisschen Glück ein Unentschieden für Freiburg durchaus drin gewesen.

6. Einzelleistungen

Auf Dortmunder Seite habe ich Axel Witsel schon herausgehoben. Der zweite sehr auffällige Akteur war der 18-jährige Jadon Sancho. 9 gewonnene Dribblings (manche davon sehr spektakulär) in einem Spiel sprechen für sich. (Ohnehin interessant: Dortmund hatte 21 erfolgreiche Dribblings bei 30 Versuchen, Freiburg nur 2 von 12.)

Auf Freiburger Seite hatte Heintz leider wieder zwei unglückliche Aktionen. Der kurze Pass auf Gondorf, der von Reus abgefangen wurde, war tatsächlich sehr unnötig und bei der Elfmetersituation gegen Sancho zeigte er sich, wie schon gegen Augsburg und Gladbach, etwas ungelenk. Doch gerade nach so einem Spiel ist es wichtig zu betonen, dass Heintz die mit Abstand meisten klärenden Aktionen des SC Freiburg pro Spiel hat und in dieser Kategorie sogar auf Platz der ganzen Liga steht. Dazu sind seine langen diagonalen Bälle sehr wichtig für einen variablen Spielaufbau. Den Deal „viele gute Aktionen und dafür ein paar sehr unglückliche“ ist man in den letzten Saisons auch bei Söyüncü eingegangen, der seine Aussetzer mit der Zeit häufiger vermeiden konnte.

Die momentan so formstarken Spieler Günter und Waldschmidt stachen in diesem Spiel nicht besonders heraus. Allerdings zeigte die zentrale Achse Koch (als zentraler Innenverteidiger), Gondorf und Haberer (Doppelsechs) sowohl mit als auch gegen den Ball eine sehr ansprechende Leistung, was gerade durch den Ausfall von Höfler nicht ganz unwichtig ist.

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