FC Schalke 04 - SC Freiburg 0 : 0

1. Aufstellung

Der SC Freiburg trat in seinem typischen 4-4-2 auf. Haberer, der unter der Woche wohl mit einem Infekt zu kämpfen hatte, konnte spielen und wurde auf die rechte Außenbahn gestellt. Der verletzte Koch wurde vom wiedergenesenen Amir Abrashi ersetzt. Höler, der diese Saison deutlich mehr Spielzeit erhält, als man es erwartet hatte, kam für Niederlechner in die Partie.

-----Petersen--------Höler------
Grifo--------------------Haberer
--------Abrashi---Frantz--------
Günter--------------------Kübler
---------Heintz---Lienhart------
-------------Schwolow----------

Auf der anderen Seite hatte Schalke 04 ebenfalls Probleme mit einigen Ausfällen. Zum einen Stambouli, der im Mittelfeld und in der Verteidigung eingesetzt werden kann, aber viel wichtiger die Außenverteidiger Schöpf und Caligiuri fielen aus, sowie die Stürmer Skrzybski, Embolo und ein angeschlagener Burgstaller. Das Problem im Sturm löst Tedesco momentan mit dem jungen und schnellen Kutucu, was eigentlich recht gut funktioniert. Die rechte Außenverteidigerposition wurde in diesem Spiel von dem polyvalenten McKennie übernommen. Schalke spielte ebenfalls in einem 4-4-2; beziehungsweise einem 4-2-3-1, je nachdem ob man Uth als zweiten Stürmer oder als Zehner sehen möchte. Durch die Grundformationen gab es somit zunächst keine systematische Überzahl in irgendeinem Bereich des Spielfelds.

2. Spielanlage

Die grundsätzliche Herangehensweise in der ersten Halbzeit ist gar nicht so leicht auf den Punkt zu bringen. Insgesamt war es in allen Bereichen des Spiels variabel. Gerade zu Beginn presste der Sportclub weit in der gegnerischen Hälfte, hatte einen guten Zugriff auf Sané, konnte Pässe ins Mittelfeld größtenteils zustellen und setzte auch Fährmann nach Rückpässen unter Druck, um lange Bälle zu provozieren. Nachdem der Sechser Mascarell sich aber häufiger zwischen die Innenverteidiger fallen ließ oder McKennie etwas tiefer den Spielaufbau unterstützte, zog sich Freiburg auch wieder weiter zurück, um mit sehr engen Ketten in der eigenen Hälfte zu verteidigen. Tendenziell wurde das Pressing im Verlauf der ersten Halbzeit eher tiefer, obwohl es auch später noch Szenen gab, in denen Petersen und Höler weit aufrückten.
Interessant war noch, dass Freiburg im Mittelfeld zu Beginn viel lose Bälle gewinnen konnte und Serdar und Mascarell gegen den Ball nicht die ganz große Präsenz ausstrahlten. Hier fehlte den Schalkern wahrscheinlich einerseits McKennie oder Bentaleb, andererseits dominantere Flügelspieler (gegen den Ball) als Harit und Matondo.

Im Spiel mit dem Ball zeigten sich Parallelen zum variablen Pressing. Wieder tendenziell zu Beginn des Spiels, versuchte der SC Freiburg häufiger flach aus der Innenverteidigung heraus aufzubauen. Frantz kippte ab und Schwolow wurde gut in die tiefere Ballzirkulation eingebunden. Auffällig waren die Bewegungen von Grifo und Haberer, die sich häufig vom Flügel in die Mitte kippten, um sich anzubieten, was häufig ganz gut funktionierte. Freiburg kam so vom Aufbau ins Mittelfeld, verlor dann aber meistens den Ball im letzten Drittel. Man kommt auch an der Beobachtung nicht ganz vorbei, dass Höler und teilweise Petersen leider nicht den besten Tag in Sachen Ballverarbeitung hatten. Andererseits konnten auch die Pärchen Grifo/ Günter und Haberer/ Kübler nur selten bis an den Strafraum durchbrechen.
Ab Mitte der ersten Halbzeit spielte Freiburg vermehrt lange Bälle. Interessanterweise gingen diese aber alle in Richtung Haberer auf den rechten Flügel. Der Grund dafür war wahrscheinlich, dass man direkte Kopfballduelle mit Sané vermeiden wollte. Meiner Meinung nach ist das ein sehr guter Grund.

Obwohl das Auswärtsspiel des Sportclubs nicht rein destruktiv war, kam es zu einer sehr chancenarmen ersten Halbzeit. Freiburg schoss nur einmal in Richtung des Tores. Schalke kam immerhin zu sieben Abschlüssen, ohne dass einer davon wirklich gefährlich war. Der einzige Schuss auf das Tor kam von Uth aus circa 35 Metern, in der 28. Minute setzte Mascarell den Ball aus etwa 18 Metern übers Tor und in der 38. Minute konnte (ich glaube) Heintz einen Schuss innerhalb des Strafraums von Uth blocken.

In der 42. Minute flog dann Serdar aufgrund eines brutalen Foulspiels gegen Frantz mit einer glatten roten Karte vom Platz, was eine komische Konstellation ergab. Durch die Überzahl war klar, dass Freiburg in der zweiten Halbzeit gezwungen sein würde, dass Spiel zu machen, was in fremden Stadien aber nicht unbedingt üblich ist. Dazu kam eine Verletzung von Frantz nach dem Foul und ein verwarnter Abrashi, dessen Spielweise auch dieses Mal sehr aggressiv war. Im Mittelfeld wurde es personell also ganz schön dünn.

3. 11 gegen 10

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte Streich zu der hase in Überzahl: „Wir haben es ordentlich gemacht, nicht gut, aber ordentlich.“ Als sehr kurze Zusammenfassung halte ich das für eine recht treffende Bewertung.

Zur Pause kamen Gondorf und Waldschmidt für Frantz und Höler. Abrashi kippte konsequent zwischen Heintz und Lienhart ab. Kübler und Günter positionierten sich recht hoch, um dem Spiel Breite zu geben und die Schalker Formation auseinanderzuziehen. Haberer, Grifo und Waldschmidt agierten sehr weiträumig, ließen sich teilweise sehr tief fallen, um anspielbar zu sein und den Ball nach vorne zu tragen. Heintz und Lienhart konnten durch das Abkippen von Abrashi manchmal mit dem Ball am Fuß in die gegnerische Hälfte stoßen.
Das Pressing war insgesamt höher und aktiver als in weiten Teilen der ersten Halbzeit. Diese beschriebene Grundstruktur blieb prinzipiell bis zum späten Platzverweis von Günter bestehen, funktionierte aber mal besser mal schlechter.

45. - 60. Minute:
Der SC Freiburg hatte zu Beginn Probleme die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Zwar gab es schon früh in der zweiten Halbzeit eine gute Kopfballchance von Gondorf, aber diese resultierte aus einem Standard. Schalke agierte in einem 4-4-1, das häufig zu einem 4-2-3 wurde, wenn sich die Flügel mit ins Pressing der ersten Linie einschalteten. Mit dem Anlaufen der drei Angreifer gegen drei Aufbauspieler kam Freiburg nicht so gut zurecht, spielten zu häufig zu schnell lange Bälle, die dann zunächst meistens bei den Schalkern landeten. Zusätzlich konnte Schalke in dieser Phase sogar den Ball eine Zeit lang in den eigenen Reihen halten.
Fazit: Wenig Spielkontrolle, kaum eigenen Chancen, kaum Chancen des Gegners.

60. - 75. Minute:
Der Auftakt in diese aus Freiburger Sicht beste Phase des Spiels machte ein langer Ball von (ich glaube) Heintz, der dann von Sané direkt in die Füße Grifos gespielt wurde, der zu Waldschmidt passte, welcher neben das Tor schoss. Nach ein, zwei angekommenen langen Bällen zog sich Schalke etwas weiter zurück, um näher bei den offensiven Spielern des Sportclubs zu bleiben und die Breisgauer hatten etwas mehr Platz und Ruhe das Spiel aufzubauen. Sie schafften es den Gegner in die eigene Hälfte zu drängen und in dieser Phase auch noch zwei weitere sehr gute Chancen herauszuspielen. In der 62. Minute kam es zu drei Abschlüssen in wenigen Sekunden: Haberer gewann den Ball im Mittelfeld und schickte Petersen, der aus ungünstigem Winkel von circa 15 Metern an Fährmann scheiterte. Der Nachschuss von Waldschmidt wurde geblockt, der dritte Abschluss von Grifo gut von Fährmann pariert.
Zehn Minuten später spielte der Sportclub eine wunderschöne Eckballvariante: Kurz ausgeführt, hinterlief Waldschmidt Grifo, um dann von Höhe der Strafraumkante eine punktgenaue Flanke an den langen Pfosten zu Lienhart zu zirkeln. Der junge Innenverteidiger traf den Ball nicht richtig und köpfte aus wahrscheinlich weniger als einem Meter über das leere (Fährmann stand recht mittig) Tor. Das war wirklich schade.
Fazit: In dieser Phase hätte der Sportclub eigentlich in Führung gehen müssen. Spielkontrolle, Chancen und defensive Absicherung waren hervorragend.

75. - 90. Minute:
Gegen Ende wurde das Spiel wieder etwas wilder und auch Schalke kam zu ein paar Chancen: in der 75. Minute nach einem Konter, in der 78. nach einem Standard (wildes Gestochere im Fünfmeterraum). In der 82. Minute wiederum konnte Günter nach schönem Zusammenspiel mit Grifo in den Strafraum eindringen und eine scharfe Hereingabe von der Grundlinie am Fünfmeterraum spielen, welche dann mit dem Arm/ der Hand/ dem Ellenbogen abgefangen wurde, was allerdings nach Einsatz der VAR keinen Strafstoß nach sich zog. Danach passierte in Sachen Abschlüssen nichts mehr. In der 92. Minute flog Günter nach taktischem Foul mit Gelb-Rot vom Platz.
Fazit: Eine eher wilde Schlussphase, in der auch der Gegner wieder zu Chancen kam. Wenn es ganz blöd läuft, kann der SC Freiburg das noch verlieren.

4. Bewertung des Spiels

Beim Fazit zur Hinrunde hatte ich Probleme eine eindeutige Bewertung der Leistungen des SC Freiburg abzugeben und dachte, man müsse vielleicht noch etwas abwarten, in welche Richtung sich das entwickelt. Der Auftakt der Rückrunde macht es aber sogar noch schwieriger als die Hinrunde.

Schon in der ersten Halbzeit sah man gute Ansätze im Aufbauspiel. Heintz hatte defensiv und im Passspiel einen guten Tag erwischt und Lienhart konnte Gulde hervorragend ersetzen. Im letzten Drittel (auch das sagte Streich auf der PK nach dem Spiel) war man im Passspiel deutlich zu ungenau. Der Weg dorthin sah aber ganz gut aus. Gegen den Ball war es über 90 Minuten bisher das beste Spiel in der Rückrunde, ohne grobe individuelle Fehler und kollektive Aussetzer.

Mit dem Ball merkte man gerade in der zweiten Halbzeit, dass das Freiburger Mittelfeld nicht so gut besetzt war. Abrashis Comeback war echt in Ordnung, aber für eine kontrollierte Spielweise wäre die Doppelsechs Höfler/ Koch schon die deutlich bessere Option gewesen. Allerdings sollte man die Konterabsicherung und Ballsicherheit in tieferen Bereichen des Spielfelds in Überzahl lobend erwähnen. Ein relativ früher Platzverweis des Gegners bedeutet nicht automatisch einen Punktgewinn. Vielleicht könnte man kritisieren, dass der Sportclub nur 15 wirklich druckvolle Minuten hatte, andererseits ließ man das Spiel nie wirklich in Richtung des Gegners kippen. Zudem hatte man nach 90 Minuten die besseren Chancen. Drei Punkte wären nicht unverdient gewesen. So gibt es eben nur einen Auswärtspunkt gegen Schalke 04, was auch okay ist.

5. Schiedsrichterentscheidungen

Zu den Handspielen im Strafraum:
Man ist noch auf der Suche nach einer klareren Auslegung der Handspielregel, gerade im Zusammenspiel mit dem VAR. Ich persönlich begnüge mich gerade damit, die Entscheidung auf dem Platz und in Köln zu akzeptieren und in den Bereich der Kann-Entscheidungen zu schieben. Der DFB selbst schrieb, dass das Handspiel von Kübler tatsächlich einen Graubereich darstellte, somit nicht interveniert werden sollte und die Entscheidung auf dem Platz richtigerweise Bestand hatte. Beim Schalker Handspiel gab es wohl eine falsche Wahrnehmung des Feldschiedsrichters. Er dachte, der Arm wäre weiter vom Körper abgespreizt gewesen und nahm so den Strafstoß nach Ansicht der Bilder zurück. Da der Arm und auch die Hand tatsächlich relativ eng am Körper waren, kann ich die Argumentation nachvollziehen, auch wenn der Arm unter Spannung stand.

Der Platzverweis (Schalke):
Serdar wollte wahrscheinlich sogar den Ball spielen, nahm aber mit seiner Bewegung die Verletzung des Gegenspielers in Kauf. Über diese Szene muss man nicht lange diskutieren.

Der Platzverweis (Günter):
Die erste gelbe Karte ist nach Ansicht der Bilder nicht nachvollziehbar und wahrscheinlich nur auf eine falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters zurückzuführen. McKennie wurde von Günters Rücken getroffen, der keine Bewegung zum Gegenspieler machte. Eine unberechtigte gelbe Karte bedeutet allerdings nicht, dass man sich eine zweite abholen darf. Auch hier ist die Entscheidung hart, aber durchaus im Rahmen. Günter drehte sich in den Lauf von Uth, der mit viel Tempo einen Doppelpass erlaufen wollte. Man kann das als taktisches Foul werten, auch wenn es gerade aus Freiburger Perspektive und der ersten Verwarnung deutlich zu hart erscheint.

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