Nils Petersen (1)

1. Petersens Weg zum SC Freiburg

Obwohl Nils Petersen nie über längere Zeit unersetzbarer Stammspieler einer Mannschaft in der 1. Bundesliga war, ist er nach Christian Streich die wohl bekannteste Figur des SC Freiburg.
Den ersten ganz großen Schritt in den Profifußball machte der Stürmer mit 20 Jahren. In der Winterpause der Saison 2008/09 wechselte er vom damaligen Drittligisten Carls Zeiss Jena zum FC Energie Cottbus in die 1. Bundesliga. Es sollte allerdings nur ein kurzes Hineinschnuppern in die höchste deutsche Spielklasse werden, denn am Ende der Saison stieg Cottbus ab.

Mit der Zeit wurde Petersen zum Stammspieler und in der Saison 2010/11 sogar Torschützenkönig der 2. Liga. Zur damaligen Zeit qualifizierte einen diese Leistung dafür, einen Vertrag beim Rekordmeister FC Bayern München unterschrieben zu können, um gemeinsam mit dem Dauerläufer Ivica Olić Konkurrenzdruck auf Mario Gomez auszuüben. Diese Möglichkeit wird den aktuellen Anwärtern der Torjägerkanone in der 2. Bundesliga (Duksch, Polter und Ishak) wahrscheinlich verwehrt bleiben. Doch auch damals war der Schritt für einen sehr guten Zweitligaspieler zum FC Bayern München etwas zu groß. Im Sommer 2012 wurden Mandžukić und Pizarro verpflichtet und der Stürmer Nummer 4 wechselte auf Leihbasis zu Werder Bremen.

Die insgesamt zweieinhalb Jahre in Bremen könnte man wahrscheinlich als durchschnittlich erfolgreich bezeichnen. Petersen spielte zwei mittelgute Saisons (11 und 7 Tore), konnte sich aber in der Hinrunde 2014/15 nicht mehr gegen Selke und Di Santo durchsetzen. Er wurde abermals verliehen. Dieses Mal ging es zum abstiegsgefährdeten SC Freiburg, der zu diesem Zeitpunkt noch einen Sturmpartner für Admir Mehmedi suchte.

Petersen wurde zwar nicht zum Stammspieler, aber seine Statistik in dieser Rückrunde ist immer noch bemerkenswert. Bei 12 Einsätzen spielte er nur ein einziges Mal 90 Minuten durch. Trotzdem kam er bei 502 Spielminuten auf 9 Treffer, brauchte also durchschnittlich 55 Minuten für ein Tor.

Leider reichten diese Tore nicht für den Klassenerhalt, die Leihe endete und der Torgefährlichste Freiburger Stürmer der Saison, der noch am vorletzten Spieltag den entscheidenden Treffer gegen seinen Ex-Verein Bayern München erzielte, ging zurück zu Werder Bremen.

2. Ein Ostdeutscher wird zum Freiburger Publikumsliebling

In der Transferperiode vor der nächsten Saison traf Petersen dann eine Entscheidung, die man in bestimmten Kreisen wohl als „smart“ bezeichnen würde: Er ließ sich fest vom SC Freiburg verpflichten.

Für den Fußballromantiker war die Sache klar. Petersen ist der letzte Spieler, in einer Welt voller geldgieriger Söldner, der wahre Liebe zur Stadt und zum Verein kennt und sich auch nicht von besseren finanziellen Angeboten locken lässt. Der sympathischste Spieler der Bundesliga bleibt beim sympathischsten Verein der Bundesliga, auch wenn es nur die zweite ist.

Allerdings ist Petersens Entscheidung auch ohne diesen Pathos ganz gut zu erklären. In Skripniks Bremen gab es keine großen Chancen auf einen Stammplatz, wodurch ein Abgang sehr wahrscheinlich war. Und allzu viele Alternativen, bei denen er garantiert viel Spielzeit bekommen hätte, gab es ebenfalls nicht. Nils Petersen sprach selbst davon, dass es zwar Kontakt zu anderen Vereinen gab, aber der SC Freiburg sich als einziger Verein wirklich intensiv um ihn bemüht hatte.

Der Wechsel zum Sportclub spricht eher für eine gute Selbsteinschätzung. Petersen ist ein sehr guter Abschlussspieler mit (auf Bundesliga-Niveau!) limitierten fußballerischen Fähigkeiten. Zwar kann er am Kombinationsspiel teilnehmen, wenn er Grifo, Philipp und Haberer um sich herum hat, ist dabei aber das schwächste Glied. Sein erster Ballkontakt ist fabelhaft, wenn es darum geht direkt zum direkten Torabschluss zu kommen oder den Ball per Kopf weiterzuleiten. Doch Ballannahme, Ballbehauptung und enge Ballführung sind eher unterer Bundesligadurchschnitt. Auch brauchte Christian Streich fast drei Jahre, um Petersen zu einem läuferisch starken Stürmer zu machen, der auch mal über 90 Minuten ein Bestandteil des intensiven Freiburger Pressings sein kann, obwohl dies eigentlich Streichs Königsdisziplin ist. Im Sommer 2015 war Petersen noch nicht so weit, wie er es heute ist. Petersens Niveau passte perfekt zum SC Freiburg. In einer leichten Schwächephase eher 2. Liga, durchschnittlich ein solider Bundesligaspieler und wenn alles perfekt läuft, reicht es mal für die Europaleague.

Es gab wahrscheinlich etliche potenzielle Faktoren, die für die Entscheidung zum SC Freiburg zu gehen sprachen:

1. Grundlage war sicher eine realistische Selbsteinschätzung von Petersen.
2. Er konnte davon ausgehen, dass der Sportclub wieder aufsteigen würde.
3. Er wollte im besten Alter weiter Spielpraxis sammeln.
4. Er hatte anscheinend einen guten Draht zum Trainer und der Mannschaft.
5. Er wurde von Vereinsoffiziellen wertgeschätzt.
6. Er hatte sich ein Umfeld in Freiburg aufgebaut.
7. Die deutlich größeren und attraktiven Angebote blieben aus.
8. Mit 26 Jahren musste es nicht zwangsläufig sein letzter Vertrag sein.
9. Bei einem ausbleibenden Aufstieg hätte er immer noch wechseln können.

Sicherlich war es ein mutiger Schritt mit in die 2. Bundesliga zu gehen. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass ein Neuanfang bei einem Bundesligisten ebenfalls ein Risiko für ihn gewesen wäre. Die Erfahrung sich in München nicht als Stürmer Nummer 2 durchgesetzt zu haben und in Bremen mal aufs Abstellgleis gestellt worden zu sein, könnte eine Rolle gespielt haben. Trotzdem ist es immer noch eine ungewöhnliche und sympathische Entscheidung, dass ein guter Stürmer einem Verein, bei dem er nur ein halbes Jahr ausgeliehen war, in die 2. Liga folgt.

Das Zwischenresultat im Januar 2018 gibt ihm natürlich recht. Petersen ist der beste Joker der Bundesligageschichte, wurde als einer der drei erlaubten Ü23-Spieler mit zu Olympia genommen (wobei er die Verantwortung übertragen bekam, den letzten Elfmeter im Finale zu schießen) und hat mit dem SC Freiburg zwei internationale Pflichtspiele absolviert.
Zudem ist er als Ostdeutscher Stürmer, der zwei Jahre beim ungeliebten FC Bayern spielte, absoluter Publikumsliebling der Freiburger Fans geworden. Vor dem Hintergrund des häufig lokalpatriotischen angehauchtem Denken der Bundesligafans (und Badenern), die meist mit besonders stolzem Blick vor allem auf die eigene Aufzucht blicken, ist Petersens Beliebtheit im Breisgau wirklich bemerkenswert. Gerade da sich mit Schuster, Günter, Höfler oder Schwolow Alternativen anböten.

Aber auch über den SC Freiburg hinaus ist Petersen ein anerkannter und meist beliebter Bundesligaspieler und seit diesem letzten Wechsel auch mehr als einer, der mal gute Phasen bei Cottbus und Bremen hatte.

Dieser Text war ursprünglich nur als kurze Einleitung geplant, die sich aber während des Schreibens verselbstständigt hat. Der Haupttext zum Petersen-Statement (Verblödung) hier: http://www.zerstreuung-fussball.de/content/das-petersen-statement-2

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