SC Freiburg - 1. FC Köln 3 : 2

1. Wolfsburg, Mainz, Hamburg und Köln

So richtig tief in einer problematischen Phase, war der SC Freiburg seit dem Spiel gegen Wolfsburg. Ein frühes Gegentor brachte den Sportclub in die Lage fast 90 Minuten gegen eine spielerisch schwache, aber defensiv sehr gut geordnete Wolfsburger Mannschaft anzurennen, leider ohne Erfolg. Am darauf folgenden Montagabend in Mainz versuchte Streich auf die vergangenen frühen Gegentore und das Problem, dass einige zentrale Spieler nicht ganz fit waren, zu reagieren und stellte eine sehr defensive Mannschaft auf, die man eher gegen Bayern oder Dortmund, aber nicht gegen Mainz erwartet hätte. Das Ergebnis war leider dasselbe: 2 : 0 für den Gegner. Hinzu kamen nun aber auch noch einige enttäuschte Fans, die selten einen so passiven Auftritt des SC Freiburg gesehen hatten. Der Auftritt in Hamburg kann man wiederum als Reaktion auf das vorherige Spiel betrachten: offensive Aufstellung, hohes Pressing und weites Aufrücken der Außenverteidiger und Sechser, um in der Offensive genug ballnahe Spieler zu garantieren. Auch wenn dieses Spiel ebenso verloren ging, wie die beiden vorherigen, waren gerade in der ersten Halbzeit einige gute Szenen dabei und das fehlende Führungstor erklärte sich diesmal eher durch eine schlechte Chancenverwertung, als durch Ideenlosigkeit in der Offensive. Gegen Köln ging Streich diesen Weg weiter und richtete seine Aufstellung eindeutig auf den Versuch aus Tore zu schießen und nicht Gegentore zu verhindern.

Wie gesagt, überraschte Streich in Mainz mit einer äußerst defensiven Dreierkette, gerade weil Mainz selber mit einer Viererkette spielte und der Freiburger Trainer seine Aufstellung normalerweise am Gegner ausrichtet. Mit dem Zwischenschritt Hamburg (Viererkette gegen Viererkette), wurde diese Herangehensweise nun sogar umgedreht: Freiburg spielte ein 4-4-2 gegen ein 5-2-2-1/ 3-4-2-1 von Köln. Personell wurde dreimal gewechselt. Kempf kam für den gesperrten Söyüncü, Frantz für Haberer und Terrazzino für Höler.

----Kleindienst----Petersen------
Terrazzino------------------Frantz
------Schuster-------Höfler--------
Günter----------------------Kübler
------Kempf------------Gulde-----
-------------Schwolow-------------

2. Riskantes Pressing und zweite Bälle

Durch die nicht zueinanderpassenden Grundordnungen und die zusätzliche aggressive Freiburger Herangehensweise, wurde das Pressing deutlich komplexer als gewohnt. Mit einem 5-2-3 hätte es klare Zuordnungen und viele Mannorientierungen gegeben: drei Angreifer, für drei Innenverteidiger, die Außenverteidiger gegen die gegnerischen Außenverteidiger, Doppelsechs gegen Doppelsechs und drei Innenverteidiger für drei Angreifer. In einem statischen 4-4-2 hätte der SC eine Unterzahl in der vordersten Reihe gehabt, Gleichzahl im Zentrum, aber vor allem eine ziemlich unnötige Überzahl auf dem Flügel. Freiburg löste diese Situation durch ziemlich intensives Verschieben zur ballnahen Seite hin. Spielte Köln über links, rückte häufig Terrazzino auf den dritten Innenverteidiger heraus, während Günter dann nah am Kölner Außenverteidiger sein musste. In dieser Situation blieb Frantz auf der ballfernen Seite etwas tiefer eingerückt im Zentrum, um abzusichern. Ähnlich konnte man das Pressing natürlich auf der anderen Seite aufziehen: Frantz und Kübler auf Innenverteidiger und Außenverteidiger aufgerückt, Terrazzino absichernd eingerückt, während Schuster und Frantz meistens eng bei den Sechsern Hector und Höger blieben. Allerdings wurde auch dieser Plan nicht durchgehend ausgeführt. Häufig pressten Kleindienst und Petersen auch zu zweit gegen die drei Innenverteidiger und Frantz/ Terrazzino blieben beide etwas tiefer. Die Mannschaft schien sich situativ dafür zu entscheiden, wie man wen, wann und wie hoch anläuft und das klappte meistens ziemlich gut:

Ballgewinn im defensiven Drittel: 10 (SCF) – 26 (KOE)
Ballgewinn im mittleren Drittel: 21 – 13
Ballgewinn im offensiven Drittel: 5 – 0
(TLSFootball (Opta))

Einschub: Frantz und Terrazzino wechselten häufig die Seiten. Zu Beginn war Frantz sogar häufiger auf links. In den beschriebenen Pressingsituationen gehe ich davon aus, dass Frantz rechts spielt.

Hatte der Sportclub den Ball in der eigenen Hälfte, setzte man, wie schon gegen Hamburg, vermehrt auf lange Bälle in Richtung Kleindienst, um sich vor allem die zweiten Bälle nach dem Kopfballduell im Mittelfeld zu erobern. So mussten Schuster und Höfler nicht für die Anbindung von Abwehr und Angriff sorgen, sondern konnten sich direkt sehr hoch positionieren und so häufiger an den Angriffen teilnehmen. Auf ein Abkippen einer der Sechser zwischen oder neben die Innenverteidigung, wurde länger verzichtet.

3. Die erste Halbzeit

Durch das hohe Freiburger Pressing, die frühen langen Bälle und damit einhergehenden intensiven Zweikämpfe im Mittelfeld, entwickelte sich ein einigermaßen offenes Spiel mit leichten Vorteilen für die Heimmannschaft, da sie viele Zweikämpfe für sich entscheiden konnten. Allerdings deutete sich oft genug an, dass wenn die zweiten Bälle verloren gingen, oder das Pressing umspielt wurde, der 1. FC Köln viel Raum bespielen konnte und mit Hector, Osako und Bittencourt auch die nötige Qualität dafür hatte. Ein Gegentor schien zwar nicht zwangsläufig, aber durchaus im Bereich des Möglichen. Auf der anderen Seite, erspielte sich der Sportclub allerdings deutlich mehr eigene Chancen, als in den Spielen zuvor. Dies lag einerseits an der offensiven Formation, andererseits sicherlich auch am Personal. Gerade Mike Frantz brachte einiges an Ballsicherheit mit, die man im letzten Drittel so häufig vermisst hatte. Bezeichnend dafür war das Führungstor. Frantz konnte einen langen Ball von Kempf Schuster erlaufen, war allerdings dabei schon auf der linken Außenbahn vom Verteidiger gestellt. Anstatt direkt einen überhasteten riskanten Pass zu spielen, lief er noch einmal mit dem Ball zurück, drehte sich dann wieder um und flankte auf den bis dahin nachgerückten Petersen, der das 1 : 0 köpfte.

Zunächst hatte die Führung keinen großen Einfluss auf das Spiel und nur wenige Minuten später bekam Freiburg sogar noch einen Strafstoß, den Günter leider nicht verwandelte. Circa ab der 35. Minute passte sich Freiburg dem Spielstand etwas mehr an und versuchte den Ball etwas länger in den eigenen Reihen zu halten. Schuster kippte dann hin und wieder ab. Durch die Kombinationen durch das Mittelfeld fiel der Linksdrall des Freiburger Spiels noch mehr auf als zuvor. Bei den eigenen Angriffen, verschob der Sportclub mit Höfler, Frantz, Petersen und Günter so stark auf diese Seite, dass Kübler praktisch bis an den Mittelkreis einrückte, um anspielbar zu sein und Gegenstöße abzusichern. Diese großen Räume konnte Köln allerdings bei eigenen Ballgewinnen nur selten nutzen, weil das Freiburger Gegenpressing mit den vielen Leuten auf der Seite gut funktionierte. Die Überladung einer Seite ergab viele Möglichkeiten sich durch die Kölner Abwehr zu kombinieren und in den Strafraum zu kommen.

4. Konditionsprobleme in der zweiten Halbzeit

Beide Teams kamen unverändert aus der Pause und so verlief das Spiel zunächst weiter, wie in der ersten Halbzeit. Hier konnte man vielleicht auch den Unterschied von Ruthenbeck und Titz erkennen, da Zweiterer sich nach 45 Minuten gut auf die langen Bälle von Freiburg eingestellt hatte und das Mittelfeld etwas zurückzog. Köln reagierte nicht und fing sich so auch das zweite Gegentor: Ein langer Ball von Schwolow auf Kleindienst wurde von Maroh unfreiwillig verlängert und auf Petersen weitergeleitet. Dieser umkurvte Horn und traf zum 2 : 0.

Allerdings machte sich ab diesem Zeitpunkt der Aufwand bemerkbar, den die Mannschaft bis dahin betrieben hatte. Nachdem das Spiel in Mainz auch deswegen sehr passiv angegangen wurde, weil man in der Schlussphase noch genügend Energie übrig haben wollte, konnte man sich nun davon überzeugen, dass die Mannschaft momentan tatsächlich nicht in der Lage ist, den Streichschen Pressingfußball 90 Minuten durchzuhalten. Der stabilisierende Frantz musste nach 55 Minuten ausgewechselt werden. Schuster und Petersen wären sicherlich auch froh gewesen, hätte man sie schon etwas früher heruntergenommen. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte Streich, er hätte eigentlich vier oder fünf Auswechslungen gebraucht und das hatte man den Spielern auch angesehen.

Bei beiden Gegentoren konnte man zwar anerkennen, dass die Halbfeldflanken ziemlich gut getreten waren, die Freiburger Abwehr übte allerdings auch keinen Druck auf den Ballführenden aus. Beim ersten Gegentreffer ließen Kleindienst und Höler den Pass durchs Zentrum zu, Schuster und Höfler waren nicht nah genug am eingewechselten Koziello dran und Gulde rückte zu spät auf Cordoba heraus. Kurz gesagt: alle waren mindestens einen Schritt zu spät. Beim zweiten Gegentor verhielt es sich nicht wesentlich anders. Dem SC Freiburg kam dann zugute, dass Köln noch unbedingt den Siegtreffer brauchte, um nicht abzusteigen und es ergab sich ein offener Schlagabtausch, bei dem Pizarro eine Großchance vergab, Freiburg aber auf der anderen Seite in Person von Haberer und Höler eine so deutliche Doppelchance ungenutzt ließ, dass sie fast in den Verdacht kamen, die Freiburger wollten ihre Zuschauer ärgern, nur um dann in der 93. Minute doch noch das dritte Tor zu erzielen. Wie schon im Hinspiel gegen Köln kam es zu einer dramatischen Schlussphase, mit dem besseren Ende für den Sportclub.

5. Fazit

Mit der Aufstellung und Spielanlage ging Streich ein hohes Risiko ein. Obwohl er in der letzten Woche immer wieder betonte, dass einige Spieler momentan physische Probleme habe, spielten die beiden „alten“ Schuster und Frantz zusammen mit den etwas ausgelaugt wirkenden Petersen, Höfler und Gulde. Trotzdem wählte man eine sehr laufintensive Spielweise und versuchte endlich mal wieder in Führung zu gehen. Der Plan ging auf. Schuster und Höfler machten das Mittelfeld dicht, Kempf bestritt einige sehr konzentrierte und erfolgreiche Zweikämpfe, Kleindienst verlieh dem Freiburger Pressing mit vielen Sprints eine hohe Intensität, Petersen sorgte für die Tore und Frantz brachte mehr Ruhe in den Ballbesitz im letzten Drittel. Die Zwei-Tore-Führung nach 60 Minuten war somit nicht unverdient. Am Ende konnte man sogar feststellen, dass die Chancenverwertung eines der größten Probleme in diesem Spiel war (Expected Goals: 3,38 : 1,35). Ab der zweiten Hälfte der zweiten Halbzeit erhielt man aber auch die Quittung für den hohen Aufwand, den man bis dahin betrieben hatte. Am Ende war man 10 Kilometer mehr gelaufen als der Gegner (119 Km – 109 Km), der somit noch deutlich frischer in der Schlussphase war. Trotzdem gehörte die letzte Aktion der Heimmannschaft und Höler erzielte das erste Bundesligator seiner Karriere, nachdem er noch kurz zuvor eine Großchance vergeben hatte.

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