SC Freiburg - 1. FSV Mainz 05

1. Zurück zur Fünferkette

Nachdem Streichs kleines Experiment, das 4-3-3 gegen Wolfsburg (http://zerstreuung-fussball.de/content/offensives-system-defensives-pers...), eher missglückt ist, kehrte der SC Freiburg zum bewährten System zurück. Schuster spielte wieder den zentralen Innenverteidiger in der Fünferkette, Höfler statt auf der Acht auf der Sechs und Haberer nahm die Frantz-Position ein.

Im Verlauf dieser Hinrunde und im Spiel gegen Wolfsburg wurde immer klarer, warum diese Grundordnung für den Sportclub so wichtig ist. Auch wenn das Freiburger Spiel, stabile Elemente enthält, entstehen ebenfalls einige Spielsituationen, in denen die Mannschaft gewisse Risiken eingeht. Stabile Momente sind ruhige Ballzirkulationen zwischen den Innenverteidigern, der Aufbau über die Außenverteidiger und auch lange Bälle nach vorne, wenn der Druck zu hoch wird. Allerdings suchen Kempf, Schuster und Koch auch den flachen Pass durch die Mitte auf Haberer und Höfler oder einem der Stürmer, der sich etwas zurückfallen lässt. Falls solche Pässe nicht optimal gespielt werden, kann der Gegner ihn in sehr guter Position abfangen und umschalten.

Ähnlich sieht es beim Freiburger Pressing aus. Über weite Phasen gibt es eine gute Mischung aus einem Unterbinden der Spieleröffnung durch die Mitte und einem druckvollen Anlaufen der gegnerischen Innenverteidiger. Erkennen die Freiburger aber die Möglichkeit tatsächlich den Ball in der gegnerischen Hälfte zu erobern, verschiebt häufig die ganze Mannschaft in Richtung des ballführenden Spielers. Dadurch offenbaren sie Räume auf der ballfernen Seite. Kann der Gegner das Spiel verlagern, gibt es ihm wieder die Möglichkeit eines Schnellangriffs.

Streich möchte nicht in die Passivität abrutschen und auf diese Situationen verzichten (Das Führungstor gegen Mainz gibt ihm zumindest in diesem Spiel recht). Zwar entstehen gute Situationen des Gegners, andererseits ergeben sich ebenso gute Möglichkeiten für Freiburg. Um diese riskanten Situationen wenigstens etwas abzusichern, ist es sehr hilfreich, wenn drei Spieler in der letzten Reihe bleiben, die einen kürzeren Weg zum eigenen Strafraum haben. Der Nachteil der Rückwärtsbewegung bleibt zwar bestehen, aber zu dritt kann man immer noch eine Art Restordnung aufbauen, die dem Angriff vielleicht so lange stand hält, bis weitere Spieler zurückgekommen sind.
Die Fünferkette ist auch die Voraussetzung dafür, die aktiven und riskanten Elemente im Spiel von Freiburg aufrechtzuerhalten.

2. Mainz mit leichten Vorteilen in der ersten Halbzeit

Streich ließ das typische Freiburger Pressing gegen eine Viererkette spielen. Zwei der drei Stürmer (Terrazzino, Petersen, Kapustka), liefen die beiden Innenverteidiger an. Der dritte ließ sich etwas dahinter zurückfallen und deckte den Mainzer Sechser Gbamin. Haberer und Höfler orientierten sich meist recht eng an den offensiveren Mittelfeldspielern Maxim und Latza. Stenzel und Günter setzten teilweise die Mainzer Außenverteidiger unter Druck, falls diese in den Aufbau mit einbezogen wurden.

Man merkte den Mainzern an, dass sie auf einige Stammspieler verzichten mussten. Obwohl Gbamin, gerade in der ersten Halbzeit, einige Zweikämpfe nach langen Abschlägen gewinnen konnte, kam Mainz selten aus eigener Kraft zu größeren Chancen. Die besten Szenen entstanden nach Freiburger Abstimmungsschwierigkeiten. Gleich zu Beginn kam Levin Öztunali zum Schuss, nachdem Schuster von einem Einwurf Stenzels überrascht wurde. Die zweite größere Chance wurde dadurch begünstigt, dass Schuster einen langen Ball falsch einschätzte, Fischer im Strafraum in Ballbesitz kam und auf Maxim zurücklegen konnte.
Zwischen diesen beiden Szenen gelang es Mainz noch einmal Maxim, nach schneller Verlagerung auf die rechte Seite, in eine Abschlusssituation zu bringen.

Defensiv konnte man also einigermaßen zufrieden sein. Natürlich hätte einer dieser Chancen auch zum Mainzer Führungstor reichen können, doch die Forderung, dass Freiburg überhaupt keine Chancen zulässt, ist etwas überzogen.

Im Gegenzug hatte der Sportclub aber auch Probleme sich in Abschlussposition zu bringen. Haberer kam nach einem gewonnenen Dribbling von Petersen am Strafraumeck zum Schuss. Eine größere Möglichkeit wurde in der 25. Minute durch ein sehr kluges taktisches Foul von Maxim an Haberer vereitelt. So kam es nur zu einem Freistoß von Schuster aus großer Distanz. Beide Mannschaften hielten die Balance zwischen Angriff und Abwehr und kamen nur zu ungefährlichen Abschlüssen. Die Nachlässigkeiten der Freiburger Abwehr waren in der ersten Halbzeit der Grund dafür, dass Mainz leichte Vorteile hatte.

3. Freiburg nutzt Latzas Fehler

In der zweiten Halbzeit änderte sich dieses Bild aber, da es nun die Mainzer waren, die etwas unkonzentriert agierten. In der 48. Minute konnte Günter einen Pass an der Mittellinie abfangen, bis zum Strafraum laufen und auf Petersen ablegen, der dann die Torschussvorlage für Kent gab. Dessen Schuss wurde leider noch geblockt.

Daraufhin kam es zum zweifachen Fehler des unglücklichen Latzas. Er schien sich vorgenommen zu haben, den Spielaufbau zu unterstützen und bot sich als erste Anspielstation an, um den Ball weiterzuleiten. Sein erster Fehlpass mündete in einer guten Chance von Terrazzino. Doch davon ließ er sich auch beim darauf folgenden Abstoß nicht beirren, bot sich wieder an und spielte einen zweiten sehr unglücklichen Fehlpass, den Petersen zum Führungstor nutzen konnte.

4. Die Freiburger Führung

Freiburg ist keiner der Mannschaften, die nach einer Führung ihre Ausrichtung komplett abändern. Gegen Mainz waren es ebenfalls nur kleiner Anpassungen. Terrazzino blieb häufiger im Mittelfeld, Haberer und Höfler sicherten sich etwas stärker gegenseitig ab und die beiden Außenverteidiger rückten nur auf, wenn der Angriff über ihre Seite gespielt wurde.
Bei Standards kamen trotzdem weiterhin alle Innenverteidiger mit nach vorne und es gab keine zusätzliche Konterabsicherung.

In diesem Spiel funktionierte diese Herangehensweise recht gut. Auch, weil Mainz nicht wirklich auf den Rückstand reagieren konnte. Freiburg spielte sich weiterhin kleinere Chancen heraus und kontrollierte weite Teile des Spiels. Mainz tat sich schwer die erste Pressinglinie Freiburgs zu überwinden und kam auch nicht mehr in gute Umschaltaktionen. Bis zur Schlussphase gab es nur noch eine ernsthafte Chance des Gegners, durch eine sehr unübersichtliche Situation:

Bell antizipierte einen Pass von Petersen, der Terrazzino schicken wollte. Bei Bells ballorientierter Klärungsaktion traf er Terrazzino, der den Mainzer übersehen hatte, mit dem Rücken am Kopf. Der Schiedsrichter ließ weiter spielen. Terrazzino selbst sagte nach dem Spiel, dass es kein Foulspiel war. Es ging weiter mit Haberer, der den Ball nicht ins Aus schlug, sondern einen Angriff starten wollte, dabei den Ball aber zweifach gegen den immer noch auf dem Boden liegenden Terrazzino schoss. Daraufhin schnappte sich Gbamin den Ball, bemerkte, dass Schwolow zu weit vor dem Tor stand, setzte zum Distanzschuss an und traf damit die Latte. Der Abpraller flog zu Kodro, der den Kopfball aber nicht gut platzierte, womit Schwolow parieren konnte.

Die Szene enthielt einige Grenzbereiche. Bells Aktion musste nicht zwingend, hätte aber als Foul gewertet werden können. Freiburg spielt nach der Aktion einfach weiter, obwohl Terrazzino nach einem Kopftreffer auf dem Boden lag. Gbamin nutzte diese Unruhe nicht nur, um sich den Ball zu sichern, sondern kam direkt zum Torabschluss. Fritz von Thurn und Taxis würde hierbei wohl von einem Schlitzohr sprechen. Die Reaktion der Freiburger Spieler und Fans war zwar irgendwie verständlich, aber durchaus überzogen. Währenddessen war Streich an der Seitenlinie weit davon entfernt die Situation zu beruhigen, sondern regte sich selber auf. Erst als der Mainzer Trainer Sandro Schwarz seine Coachingzone verließ und Streich in den Arm nahm, kam der Freiburger Trainer langsam wieder runter und bemühte sich um ein Gespräch mit dem vierten Offiziellen. Auch wenn man allen Teilnehmern des Spiels Emotionen in einem gewissen Rahmen zugesteht, wirkte Streich in diesem Fall nicht besonders souverän.

Nach diesem Aufreger, verlief das Spiel weiter nach Plan. Mit der Zeit versuchte Mainz den Druck etwas zu erhöhen, kam aber weiterhin nicht wirklich vor das Freiburger Tor. In der ersten Minute der Nachspielzeit schoss Kath dann, mit seinem ersten Pflichtspieltreffer das beruhigende zweite Tor. Wie sich wenig später herausstellte, war das auch nötig gewesen, denn Freiburg offenbarte, wie schon gegen Hoffenheim, eine Anfälligkeit, nach hohen Bällen, die in den Strafraum geschlagen werden. Berggreens Anschlusstreffer kam zum Glück ein bisschen zu spät, um den zweiten Freiburger Saison-Sieg zu verhindern.

5. Zu einzelnen Spielern

Besonders auffällig in diesem Spiel waren die Sechser der beiden Mannschaften. Gbamin hatte einen wirklich guten Tag. Er gewann viele Zweikämpfe im Mittelfeld und konnte einige Angriffe einleiten, die dann aber meist ganz gut von Freiburg verteidigt wurden. Auf der anderen Seite hatte Höfler ebenfalls seinen Einfluss auf das Spiel. In letzter Zeit häuft es sich, dass er im Mittelfeld kurze Dribblings einsetzt, um das Spiel zu eröffnen. Dabei kommt es ihm sehr entgegen, dass er mit Schuster noch einen Ballverteiler und die Absicherung hinter sich hat. So kann er sich mehr auf eine kreative Rolle als wichtige Durchgangsstation im Mittelfeld konzentrieren und ist nicht in der Ballzirkulation der ersten Linie gebunden.

Zudem muss ich auch Petersen herausheben, den ich in den letzten Artikeln kritisiert habe. Die These war, dass er es aufgrund seiner technischen Mängel, seiner Kondition und seinem Pressingverhalten selten über die Joker-Rolle hinaus bringen wird. Die technischen Probleme im Kombinationsspiel bleiben zwar zum größten Teil bestehen und gerade beim ersten Kontakt, könnte er sich noch verbessern. Aber seine Laufleistung in den letzten beiden Spielen (jeweils über 12 km) war wirklich überzeugend und hat auch Streich überrascht. Wahrscheinlich ist die Joker-Rolle immer noch die etwas bessere Option für Petersen, doch er ist nun auch eine ernsthafte Option für die Startaufstellung und nicht mehr bloßer Ersatz für Niederlechner.

Bleiben noch die Neuzugänge Kapustka und Kent, die beide gezeigt haben, dass man momentan noch keine überzogenen Erwartungen an sie haben sollte. Aufgrund ihres großen Potenzials ist es zwar immer möglich, dass es mal eine sehr gelungene Einzelaktion gibt, doch es fehlt noch an Konstanz. Allerdings zeigte gerade Kapustka, dass er defensiv zumindest solide spielt und keine Schwachstelle für den Gegner darstellt. Offensiv gab es in diesem Spiel keine herausragenden Aktionen von ihm, aber einige gute Ansätze.
Kent hatte mit seiner Einwechslung eher einen schlechteren Tag erwischt. Abgesehen von seiner Chance zum Führungstor lief er sich häufig am Gegner fest und spielte einige unsaubere Pässe. Gerade bei seinen Dribblings hatte man das Gefühl, dass er sich etwas zu viel vorgenommen hatte.

Es bleibt die Hoffnung, dass es mal ein überragendes Spiel von Kapustka, Ravet oder Kent geben wird und sich dadurch eine positive Dynamik für die ganze Saison entwickelt. Dem SC Freiburg fehlt momentan ein Spieler, der konstant gefährliche Situationen kreieren kann. Haberer, Terrazzino, Höfler und Günter bilden eine gute Grundlage dafür, doch können diese Situationen, die mit den Abgängen von Grifo und Philipp weggefallen sind, nicht alleine ersetzen.

Trotzdem hat dieses Spiel gezeigt, dass es nicht an Streich liegt, der den Neuzugängen nicht genug Möglichkeiten bietet, sondern diese einfach noch ein bisschen mehr Zeit benötigen. Vielleicht könnte das Wintertrainingslager eine Chance, für die sehr spät dazu gestoßenen Offensivspieler, sein.

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