SC Freiburg - 1. FSV Mainz 05 1 : 3

1. Mainzer Raute dominiert das Mittelfeld

------Kleindienst----Waldschmidt-----
Haberer----------------------------Frantz
-------------Höfler----Koch---------------
Günter---------------------------Stenzel
---------Heintz------------Gulde---------
---------------Schwolow------------------

Um nicht alles doppelt zu schreiben, empfehle ich, die relativ kurze Vorschau zu diesem Spiel zu lesen. Denn viele Elemente des Mainzer Spiels konnte man bereits in vorherigen Spielen beobachten. Die Mittelfeldraute funktionierte schon gegen Bremen sehr gut, Gbamin und Latza (Kunde sollte man noch hinzufügen) sind hervorragende Mittelfeldspieler und Mainz versucht es schon seit längerem häufig aus der Distanz. Womit ich bei der Vorschau allerdings nicht gerechnet hatte, war wie sehr dieses Mainzer Mittelfeld Freiburg dominieren sollte.

Das Mainzer System in diesem Spiel ist als 4-4-2 mit Raute bekannt. Man könnte es aber auch als ein 4-3-1-2 beschreiben, wodurch deutlicher wird, dass es drei zentrale und einen offensiven Mittelfeldspieler gibt. Beim flachen 4-4-2 der Freiburger gibt es nur zwei zentrale Mittelfeldspieler (Koch und Höfler). Mainz hatte also einen Spieler mehr im Zentrum (siehe Grafik).

Im Mainzer Pressing rückte der offensive Mittelfeldspieler Boetius mit in die vorderste Linie, um gegen die Innenverteidiger und den abkippenden Koch Gleichzahl herzustellen. Das führte häufig zu langen Bällen, die nicht direkt von den Freiburger Stürmern festgemacht werden konnten und dann vom Mainzer Mittelfeld erobert wurden. Und auch im Spiel mit dem Ball konnte der Gegner seine Überzahl im Zentrum ausspielen und kam häufig vor den Freiburger Strafraum.

Um diese taktischen Überlegungen etwas einzuschränken: Es ist nicht unproblematisch, wenn der Gegner einen Spieler mehr im Zentrum hat, aber das muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass es so große Vorteile für ihn gibt, wie in dieser Anfangsphase. Eine Überzahl in einem Bereich des Spielfelds bedeutet immer auch eine Unterzahl in einem anderen Bereich. In diesem Fall auf dem Flügel. Doch der Sportclub bekam den Ball nur selten dorthin und zusätzlich verschoben die äußeren Mittelfeldspieler Latza und Gbamin ganz gut, wodurch die Flügel auch nicht komplett frei waren. Ohnehin machten die drei Mittelfeldspieler ein sehr gutes Spiel und hätten an diesem Tag wahrscheinlich auch in einem 2-gegen-2 im Zentrum Vorteile gegenüber Höfler und Koch gehabt, im 3-gegen-2 wurde die das Duell dann wirklich sehr ungleich.
Mit der Raute hatte Sandro Schwarz seinem Team – wie schon gegen Bremen – nun auch gegen Freiburg ein System an die Hand gegeben, dass gut zu den Gegnern passte und gleichzeitig die Stärken des Mainzer Kaders optimal zur Geltung brachte.

Nach etwa einer halben Stunde hatte Mainz 6:0 Torschüsse und führte mit zwei Toren. Dann reagierte Streich.

2. Umstellung

Beim Vergleich zwischen Bremen und Freiburg im Umgang mit der Mainzer Raute, regierte der Sportclub deutlich schneller. Nach 28. Minuten sah man, wie ein Zettel von der Freiburger Bank zu Höfler wanderte. Zettel mit taktischen Anweisungen sind durchaus ein Indiz dafür, dass man improvisieren muss, um auf den Gegner zu reagieren. Und tatsächlich sah man danach eine Formation, die Freiburg in dieser Saison noch nicht gespielt hatte. Ein 3-5-2 (kein 3-4-3, wie der Kommentator zunächst dachte):

------Kleindienst------Waldschmidt-----
-----------Höfler-------Haberer------------
Günter-------------------------------Frantz
---------------------Koch--------------------
Heintz-------------Gulde-----------Stenzel
------------------Schwolow-----------------

Somit hatte man mit Koch, Höfler und Haberer ebenfalls drei zentrale Mittelfeldspieler gegen Gbamin, Latza und Kunde. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass der Sportclub nicht besonders vertraut mit Formation war, funktionierte sie gut. Man ließ in der ersten Halbzeit keinen weiteren Torschuss zu, spielte dominant und kam gut ins letzte Drittel. Besonders positiv fiel auf, dass Freiburg trotz ungewohntem Spielsystem sehr aktiv und variabel agierte. Die Dreierkette stand sehr breit, um das Mainzer Pressing auseinanderzuziehen, Lücken zu finden und Günter zu finden. Er spielte 11 von insgesamt 28 Flanken. Waldschmidt bewegte sich weiterhin sehr weiträumig und Höfler rückte bei Flanken häufig zu Kleindienst in den Strafraum. Dadurch hatte er zwei sehr gute Gelegenheiten per Kopf.

In der zweiten Halbzeit brachte Streich dann noch Sallai für Frantz, der häufig mit dem Ball nach innen zog und den Abschluss suchte (3 Schüsse).

Sandro Schwarz erkannte, dass seine Mannschaft gerade über die Flügel zunehmend Probleme bekam und stellte auf ein flaches 4-4-2 um. Der ganz große Effekt blieb allerdings aus. Freiburg erspielte sich durchgehend Chancen und konnten in der 72. Minute den Anschlusstreffer schießen. Für die Schlussphase kam noch Höler für Stenzel. Koch rückte in die Innenverteidigung, Höfler spielte etwas defensiver und Waldschmidt positionierte sich hinter Höler und Kleindienst.

Drei Minuten später konnte Mainz allerdings den Abstand von zwei Toren wiederherstellen. Bei einer unübersichtlichen Situation am Strafraum bekam Höfler den Ball nicht weg und der eingewechselte Onisiwo nutzte das gekonnt aus.
Auch danach hatte Freiburg noch weitere Chancen und ließ wenig zu. Aber Koch traf mit seinem Kopfball nur die Latte und Waldschmidt vergab nach einem sehr gekonnten Dribbling frei vor dem Tor.

3. Fazit

28 Minuten lang bestimmte Schwarz' Mittelfeldraute das Spiel. Die Dominanz der Mainzer war wirklich beeindruckend und in dieser Intensität auch nicht unbedingt zu erwarten. Doch Streich reagierte, stellte um und das Spiel veränderte sich zugunsten des Sportclubs. Man konnte den Anschlusstreffer erzielen und hatte noch viele weitere Chancen. Aus taktischer Perspektive wäre ein Unentschieden durch die 60 dominanten Minuten also durchaus gerechtfertigt gewesen. Über die gesamten 90 Minuten ging die Partie statistisch sogar deutlich an den SC Freiburg:
15 : 12 Torschüsse
58% : 42% Ballbesitz
1,83 : 0,72 expected Goals

Andererseits ist eine statistische Dominanz, für ein Team das lange zurückliegt, nicht ungewöhnlich. Und um zwei Tore aufzuholen, muss schon sehr viel zusammenkommen. Die veränderte Spielanlage war eine gute Grundlage, es mangelte letztendlich aber an der Effektivität eigene Chancen zu nutzen und die wenigen Mainzer Szenen in der 2. Halbzeit zu klären.

4. Schiedsrichter

Das Spiel war für Freiburger Verhältnisse sehr taktisch geprägt, da Systeme, Umstellungen und leichte Anpassungen einen offensichtlichen Einfluss auf das Spiel hatten. Dazu gab es einige vergebene Chancen von Freiburger Seite aus. Der Einfluss des Schiedsrichters stand nicht unbedingt im Mittelpunkt. Trotzdem sprach Streich auf der Pressekonferenz von einer unglücklichen Schiedsrichterleistung, die angeblich für Unruhe im Spiel gesorgt hätte. Ohne nun alle der durchschnittlich 200 Schiedsrichterentscheidungen pro Spiel durchzugehen, würde ich Streich bei Zweien sogar teilweise recht geben. Der Ball, den Höfler beim Abstoß abfing, hätte auch ich eher als „Abfangen“ und nicht als „Blockieren“ gewertet, auch wenn er nicht ganz 6 Meter entfernt stand, wie der Freiburger Trainer behauptete. Zweitens: in der 30. Minute gab es ein Handspiel von Niakhaté im Strafraum. Die Distanz war sehr kurz, der Arm war aber nicht am Körper und auf Kopfhöhe. Die Handspielregel wird in letzter Zeit häufig diskutiert, weswegen es schwierig ist die Szene endgültig zu bewerten, aber auch hier tendiere ich eher dazu, die Entscheidung infrage zu stellen. In beiden Fällen sind die Entscheidungen aber diskutabel, erklärbar und weit davon entfernt einen Skandal (das hat Streich nicht gesagt) darzustellen.

Die von Streich angesprochene Unruhe kam aber nicht durch den Schiedsrichter ins Spiel, sondern durch die Freiburger Akteure. Jeder Pfiff wurde diskutiert, Günter brüllte mehrmals den Assistenten an, wofür er nicht verwarnt wurde, und Streich war ständig beim 4. Offiziellen. Auch das muss man nicht dramatisieren, aber ich halte es für Sinnvoll, sich gerade dann nicht am Schiedsrichter abzuarbeiten, wenn die eigene Mannschaft verliert und sich dabei während und nach dem Spiel voll auf den unparteiischen einschießt.
Da sind die Äußerungen von Kovac letzte Woche, der die strittige Situation mit Frantz und Ribéry im Strafraum gar nicht erwähnte und Dardai beim Spiel gegen Freiburg, der selbst auf Nachfrage sagte, man müsse die Entscheidungen des Schiedsrichters akzeptieren, deutlich positiver zu bewerten.

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