SC Freiburg - FC Augsburg 5 : 1

Vorneweg: Der SC Freiburg hat an diesem Samstag den höchsten Sieg in der Zeit unter Christian Streich eingefahren. Die Gründe für dieses 5:1 gegen einen Gegner auf Augenhöhe sind vielschichtig und wahrscheinlich nicht alle von Außen zu beobachten und zu erklären.

1. Aufstellung und Spielanlage

Die Aufstellung blieb im Vergleich zum letzten Spiel größtenteils unverändert. Waldschmidt spielte für Höler und Okorji (2. Mannschaft) ersetzte den Gelb-Rot-Gesperrten Günter. Das System blieb ein 4-4-2. Durch die Ausfälle von Gulde, Koch und Höfler ist die Dreierkette momentan ohnehin eher unwahrscheinlich. Selbst wenn Streich Schlotterbeck zutrauen würde, in die Startformation zu rücken, bräuchte es dann einen weiteren Innenverteidiger für die Bank.

---Petersen---Waldschmidt---
Grifo---------------------Haberer
--------Abrashi---Frantz--------
Okoroji-------------------Kübler
---------Heintz---Lienhart------
-------------Schwolow-----------

Der Form nach gab es auch bei der Spielanlage keine großen Besonderheiten zu entdecken. Da Augsburg in einem sehr ähnlichen System (4-2-3-1/4-4-2) spielte (Gregoritsch ist wahrscheinlich eher eine zweite Spitze als ein Zehner), gab es viele Mannorientierungen auf dem Feld: jeweils zwei Spieler auf dem Flügel, zwei im zentralen Mittelfeld, zwei zentrale Angreifer gegen zwei Innenverteidiger und zwei Innenverteidiger gegen zwei zentrale Angreifer. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel offenbarte Streich, dass man durchaus den Plan hatte sehr früh zu pressen, um die junge, durch Ausfälle und Abgänge geschwächte Augsburger Innenverteidigung zu verunsichern. Und tatsächlich war das Anlaufen etwas intensiver und höher als in den letzten Spielen. Waldschmidt und Petersen gingen früh drauf, während Grifo und Haberer eng bei den Außenverteidigern blieben. Abrashi und Frantz verfolgten Baier und Koo bis weit in die gegnerische Hälfte.

Konnte man also im Spiel gegen den Ball im Vergleich zu den letzten Spielen zumindest eine etwas verschärfte, wenn auch nicht inhaltlich veränderte Herangehensweise entdecken, so war das Aufbauspiel relativ normal. Blieb Augsburg im Pressing passiv, versuchte der Sportclub durch eine tiefe Ballzirkulation und einem abkippenden Frantz, Lücken zu erspielen. Mit Grifo und Waldschmidt gab es zwei Spieler, die sich meistens etwas fallen ließen und in den Halbräumen anboten. (Der Passweg zum Spieler, der im zentralen Mittelfeld aufgestellt wird (Abrashi), ist gegen fast alle Mannschaften zugestellt. So ist das Zurückfallen offensiverer Spieler notwendig, um einen flachen Pass durch die Mitte zu spielen.)
Ging Augsburg aber früh drauf oder stellte die kurzen Passoptionen bei Abstößen und tiefen Freistößen zu, spielte Freiburg auch häufig den langen Ball. Wie schon gegen Schalke wurde dabei eher Haberer auf der rechten Seite anvisiert. Das 1:0 war eher eine Ausnahme.

2. Das Spiel

Normalerweise gehe ich in den Texten einzelne Chancen und Tore durch, aber das würde heute dann doch den Rahmen sprengen. Ich beschränke mich auf ein paar lose Gedanken zum Spiel:

a) Die erste Auffälligkeit ist, dass diese Partie im Groben das Spiegelbild des Hinspiels war. In der ersten Halbzeit fand Augsburg keinen Zugriff, streute einige individuelle Fehler ein und konnte die wenigen eigenen Aktionen nach vorne nicht ausspielen. Wie im Hinspiel der Sportclub konnte Augsburg allerdings zu Beginn der zweiten Hälfte dann doch ein paar gute Ansätze zeigen. Freiburg stellte letztes Jahr auf eine Dreierkette um, Baum zog in diesem Spiel Khedira ins Mittelfeld, der dann auch das 3:1 erzielte. Wie im Spiel in Augsburg war es aber auch in Freiburg nur ein kurzes Aufbäumen der unterlegenen Mannschaft und beide verloren dann auch die zweiten Halbzeiten. (hiermit ist meine Pflicht, schlechte Wortspiele mit dem Namen des Augsburger Trainers zu machen, erledigt) Freiburg im Hinspiel und Augsburg im Rückspiel zeigten halbwegs ordentliche Leistungen in den jeweiligen zweiten Halbzeiten, was aber nichts an dem insgesamt schlechten Eindruck des Tages ändern konnte.
Die Parallele ist vielleicht deswegen interessant, da sie zeigt, wie sehr ein Negativlauf und eine schlechte Tagesform in der Bundesliga ausmachen. Ein paar unglücklich verlorene Spiele, ein paar Verletzungen und der Druck im Abstiegskampf, müssen nur auf eine gut aufgelegte Mannschaft treffen und schon sieht es für ein Spiel so aus wie ein Klassenunterschied. Die Entwicklung der Augsburger in dieser Saison ist wahrscheinlich der Grund, warum Mannschaften wie der SC Freiburg ständig betonen, dass es in der Bundesliga Kleinigkeiten sind, die einen zu jeder Zeit in Richtung 17. Platz spülen können.

b) Eine der schwierigeren Fragen bei eindeutigen Ergebnissen lautet: wie gut war die eine und wie schlecht/ verunsichert die andere Mannschaft? Und wie so häufig kann man das auch bei diesem Spiel nicht so recht sagen. Das erste Tor resultiert aus einem Fehler Khediras, der als letzter Spieler über den Ball trat. Kurze Zeit später reichte Grifos passive Anwesenheit aus, dass der routinierte Baier am eigenen Strafraum auf dem Ball ausrutschte und eine große Chance ermöglichte. Im Gegenzug kann man allerdings zum Beispiel Lienhart herausnehmen, dem in der ersten Halbzeit so ziemlich alles gelang. Die Diagonalpässe auf Okoroji waren sehr genau, er befreite sich meist mit guten Bewegungen vom Gegnerdruck und defensiv fing er die wenigen Schnittstellenpässe ab, die von den Augsburgern kamen. Das ganze gipfelte dann darin, dass der Innenverteidiger einmal ein Dribbling aus der eigenen Hälfte ansetzte, bis an die Grundlinie am gegnerischen Strafraum kam und nach ein paar Übersteigern eine Hereingabe auf Petersen spielte, der den Ball dann neben das Tor schoss.

Die beiden Standards von Grifo in der ersten Hälfte waren ebenfalls nur schwer zu verteidigen. In der zweiten Halbzeit kann man die beiden Tore dann wahrscheinlich dadurch erklären, dass Augsburg deutlich offensiver agierte und Niederlechner und Waldschmidt bei ihren guten Abschlüssen dann doch recht leicht freigespielt werden konnten. Zusammenfassend könnte man für dieses Spiel wahrscheinlich festhalten, dass eine sehr gute Freiburger Leistung auf eine schlechte der Augsburger traf und sich daraus eine gewisse Eigendynamik entwickelte, die dann auch den guten 20 Minuten des Gegners (Gregoritsch traf den Pfosten und schoss Schwolow aus zwei Metern gegen das Standbein) im Nachhinein die Bedeutung nimmt.

c) Ob die individuellen Fehler der Freiburger einer Nachlässigkeit durch die hohe Führung geschuldet waren oder sich die Geschichte der ersten beiden Rückrundenspiele fortspinnt, wird man wohl erst nach ein paar weiteren Spielen bewerten können. Konkret ist damit einmal eine Unachtsamkeit von Kübler gemeint, der den Ball nicht wegschlug, sondern ins Dribbling ging und dabei den Ball verstolperte und die Schläfrigkeit beim einzigen Augsburger Tor: ein Lauf in die Tiefe von Khedira durch die Formation hindurch und keiner wollte mitgehen, obwohl es keine weiteren direkten Gegenspieler gab.

d) Okoroji hatte ein gutes Debüt. Defensiv war er selten gefordert, erledigte seine Aufgaben aber gut. Offensiv traute er sich ins Dribbling zu gehen, konnte auch in den Strafraum eindringen, kam aber nicht an den Gegenspielern vorbei. Es war schön zu sehen, dass er eben nicht nur Flanken aus dem Halbfeld schlug und nach hinten absicherte, sondern aktiv ins Pressing ging und sich in die Offensive einschaltete. Bei diesem Spielverlauf war es aber auch ein sehr dankbarer erster Einsatz.

3. Übergabe

Ich halte recht viel von der Textform und finde es ein bisschen schade, dass Blogs so langsam von Podcasts abgelöst werden. Ein Nebeneinander würde mir besser gefallen. Auch wenn es schnell geschriebenen Texten manchmal etwas an klarer Struktur und Überarbeitung fehlt, so sind sie dennoch (in den allermeisten Fällen) deutlich pointierter als das aufgenommene Gespräch. Bei einem Spiel wie diesem, ist der assoziative Charakter des Podcasts aber vielleicht das geeignetere Medium, um den schönen Nachmittag zu besprechen. Deswegen beende ich den Text schon frühzeitig und verweise auf die kommenden Folgen des relativ neuen Spodcast Freiburg und des Rasenfunks (Schwerpunkt: Schalke 04). Vielleicht gibt es bei Bohndesliga ja dieses Mal auch ein etwas längeres Segment zu einem Spiel mit Freiburger Beteiligung. Der Füchsletalk hat leider schon vor diesem Spieltag die neue Folge herausgebracht (allerdings mit Jonas Friedrich, der das Spiel kommentiert hat) und wird die Partie wahrscheinlich erst in einem Monat besprechen können, wenn es keine Sonderfolge gibt.

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Kommentare

AM (nicht überprüft)

Vermutlich liegt es nicht nur am Medium, aber die Texte hier sind gerade bei der Taktik so interessant, dass man in wenigen Minuten lesen oft mehr Erkenntnisse hat als nach einer halben Stunde Podcast.

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