SC Freiburg - Schalke 04 1 : 0

1. Aufstellung und Spielanlage

Das Trainerteam musste auf den angeschlagenen Frantz verzichten und war somit zu einer kleinen Reaktion gezwungen. Für ihn spielte Niederlechner, der als zweiter Stürmer agierte, wodurch Terrazzino auf die rechte Seite auswich. Haberer war weiterhin keine Option für das Zentrum und Kübler hatte sich seinen zweiten Einsatz durch die gute Leistung beim ersten Saisonsieg verdient. Das 4-4-2 blieb zunächst bestehen:

------Petersen-----Niederlechner---
Sallai-------------------------Terrazzino
-------------Höfler----Koch--------------
Günter----------------------------Kübler
------------Heintz-------Gulde----------
-----------------Schwolow---------------

Auf der anderen Seite überraschte Domenico Tedesco mit einer Viererkette, vielen Wechseln und insbesondere der Herausnahme von Naldo. Letzteres hatte wahrscheinlich mit der Umstellung zu tun. Erinnert man sich an die ältere Schalker Viererkette, bei der Naldos Mängel in puncto Schnelligkeit offensichtlich wurden, war dieser Schritt äußerst verständlich.
Diese unvorhergesehenen Änderungen schienen den SC Freiburg aber zunächst vor keine größeren Probleme zu stellen, zumindest war dies nicht unmittelbar ersichtlich. Welche Anpassungen nach der Verkündung der Startaufstellung (also in der Stunde vor Anpfiff) von Streich und Co vorgenommen wurden, ist von außen leider nicht nachzuvollziehen, wäre aber sicherlich sehr interessant.

Auch die Spielanlage war im Vergleich zum Spiel in Wolfsburg leicht angepasst. Von Beginn an wurde das Spiel des Sportclubs etwas mehr auf tiefe Ballzirkulation ausgelegt. Koch kippte zwischen die Innenverteidiger ab und man versuchte sich ab und zu in diagonalen weiten Pässen oder dem flachen Pass auf die Außen. Dadurch gab es auch weniger Situationen, in denen das Freiburger Pressing nötig wurde. Insgesamt waren diese Unterschiede aber zu klein, um tatsächlich von einer vollkommen veränderten Spielanlage zu sprechen. Diese Ausprägungen sind besser dadurch zu erklären, dass es erstens ein Heimspiel war, zweitens ein anderer Gegner auf dem Platz stand und man drittens mit einem Sieg im Rücken vielleicht etwas mehr Selbstbewusstsein hatte. Mit dem Spielverlauf änderte und relativierte sich diese grundsätzliche Dynamik auch mehrmals.

2. Spielverlauf und Umstellungen

Für kurze Zeit dachte man schon, der SC läge in Rückstand. Nach eigentlich guten und kontrollierten ersten vier Minuten, schossen die Schalker mit ihrer ersten Chance das Führungstor, was aber nach Videobeweis aufgrund einer deutlichen Abseitsstellung zu Recht aberkannt wurde. Nach diesem ersten Moment entwickelte sich ein recht zähes Spiel. In den ersten 25 Minuten hatte der SC noch einigermaßen Ballkontrolle, kam auch zu ein paar Szenen, konnte daraus allerdings keine wirklichen Chancen entwickeln. Danach kam Schalke zu etwas mehr Ballbesitz. Gefährlich wurde der Gegner meistens auf der rechten (Freiburger) Seite über Konopljanka und Mendyl, mit denen Stenzel (Kübler musste nach einem Kopfballduell raus) und Terrazzino so ihre Schwierigkeiten hatten. Es kann gut sein, dass Kübler und Frantz momentan ein stabileres Pärchen gewesen wären. Im Zentrum kam es immer wieder zum Duell zwischen Koch und Harit, bei dem ebenfalls der Freiburger Spieler einige Male das Nachsehen hatte.
Ab der 40. Minute begann dann die beste Phase von Schalke 04 mit zwei Pfostentreffern und einer Strafraumsituation, die der Schiedsrichter von seinem Videoassistenten überprüfen ließ, aber – wiederum zu Recht – nicht geahndet wurde. An diesem Punkt konnte sich der Sportclub glücklich schätzen die Phase überstanden zu haben und mit einem 0:0 in die Pause zu gehen.

Nach dem Seitenwechsel entstand ein ausgeglicheneres und offeneres Spiel. Sehr schnell bekamen beide Teams ihre ersten Ecken und konnten manchmal zum Strafraum vorstoßen. Hier zeigte sich der Sportclub effizienter als Schalke und erzielte in der 52. Minute den Führungstreffer: Stenzel wollte eine Verlagerung spielen, welche aber von einem Schalker unkontrolliert abgefangen wurde. Günter, der schon zurücklaufen wollte, erkannte die Situation, eroberte den Ball und kam mit einer etwas ungelenken Körpertäuschung aus ca 20 Metern zum Abschluss. Der nicht sehr gezielte dafür aber wuchtig geschossene Versuch prallte von Fährmann ab und wurde anschließend von Niederlechner versenkt. 1:0!
(Einschub: Vieles was Günter macht – Dribblings, Zweikämpfe, Einwürfe, Torschüsse – sieht nicht unbedingt sehr elegant und geschmeidig aus, ist aber häufig sehr effektiv.)

War dieser Führungstreffer zu diesem Zeitpunkt immer noch etwas glücklich, konnte man als Freiburg-Fan mit dem restlichen Spiel sehr zufrieden sein. Der SC kam selber noch zu zwei sehr guten Kopfballchancen – einmal von Heintz nach einem Standard und einmal sehr unbedrängt von Terrazzino nach butterweicher Flanke von Sallai –, während Schalke was Abschlüsse anging, ziemlich abgemeldet war. In der 68. Minute kam Lienhart für Niederlechner und Streich stellte auf ein 5-3-2 um. Wie schon häufiger in der Saison zog sich Freiburg teilweise sehr weit an den eigenen Strafraum zurück, machte dies aber besser als in den ersten Spielen. Der Ballführende wurde nämlich trotzdem meist gut unter Druck gesetzt und die Passwege ins Zentrum besser verschlossen. Die tiefe Verteidigung zwang den Gegner dann zu vielen Halbfeldflanken, die prinzipiell (außer gegen Gomez) recht leicht zu verteidigen sind. Am Ende des Spiels hatte Schalke 24 Flanken geschlagen, von denen nur vier ankamen. Zudem schaffte es Freiburg immer wieder nach Ballgewinn den Ball auch über eine gewisse Zeit zu halten und Schalkes Spielfluss zu unterbrechen. Hier ist Sallai hervorheben, der sich mit seiner Wendigkeit auch mal gegen zwei Gegenspieler behaupten kann.
In der 90. Minute kam Schalke noch zu einer gefährlichen Situation, in der Gulde knapp vor Burgstaller klären konnte. Insgesamt war es aber eine sehr gute Defensivleistung nach dem Führungstreffer. Dies ist umso erstaunlicher, da der SC Freiburg nicht unbedingt dafür bekannt ist, einen Gegner in der Schlussphase wirklich kaltzustellen und nicht mehr ins Spiel finden zu lassen.

3. Fazit

Freiburgs Kader zeigt schon jetzt eine gewisse Tiefe. Trotz der prominenten offensiven Ausfälle von Frantz, Haberer und Kleindienst bekam man problemlos einen personell schlagkräftigen Angriff auf das Feld und hatte sogar noch Waldschmidt und Ravet auf der Bank.
Die Ausgangslage war kompliziert. Schalke hatte nach vier punktlosen Spielen einiges umgestellt, ist ohnehin individuell deutlich stärker besetzt und war sicherlich sehr motiviert. Die erste Halbzeit ging auch recht klar an die Gäste, obwohl man auch nicht davon sprechen kann, dass Schalke Chancen im Minutentakt gehabt hätte. In der zweiten Hälfte traf Niederlechner zum 1:0 und es folgte eine sehr abgeklärte defensive Mannschaftsleistung.

Das Wort Mannschaftsleistung ist häufig ein Platzfüller, wenn man einen Sieg einer individuell unterlegenen Mannschaft erklären möchte, trifft hier aber tatsächlich recht gut zu. Es wurde bereits erwähnt, dass Koch (verständlicherweise) einige Probleme mit dem flinken Harit hatte. Gerade, nachdem der Freiburger schon früh die gelbe Karte gesehen hatte, musste er seinen Gegenspieler im Zweikampf häufiger ziehen lassen. Anders als in den ersten Spielen wurde dies dann aber von Höfler, Gondorf oder einem Innenverteidiger aufgefangen. Ganz ähnlich wurden die Probleme der rechten Seite kompensiert, als Stenzel und Terrazzino phasenweise nicht den sichersten Eindruck machten.

Positiv bleibt festzuhalten: Der SC Freiburg konnte in diesem Spiel bestätigen, dass man bei einem 0:0 gegen einen Bundesligisten in der Lage ist, sich ein halbwegs ausgeglichenes Spiel zu erarbeiten und nach einer Führung diese auch recht souverän zu verwalten. Weiterhin bleibt unklar, was passiert, wenn man in Rückstand geraten sollte, zu noch mehr Ballbesitz gezwungen ist und mit diesem Ballbesitz die Balance zwischen Offensive und Defensive halten muss. Aber nur, weil das noch unklar bleibt, heißt das nicht, dass es nicht auch sehr gut funktionieren kann. Gerade, wenn man ein paar Erfolgserlebnisse gesammelt hat. Vielleicht weiß man nach dem Sonntagsspiel in Augsburg mehr. Noch schöner wäre aber wieder eine frühe Führung.

4. Nachträge

Ernsthafter Nachtrag: Ein Extralob für die abermals starke Laufleistung von Petersen: 12,5 Km! Am Samstag gegen Wolfsburg: 13,5 Km!

Nachtrag mit Augenzwinkern: In der Saison 2016/17, in der man sich für die Europa-League-Qualifikation qualifizieren konnte, hatte der SC Freiburg nach fünf Spieltagen einen Punkt weniger.

Letzter Nachtrag mit hinkenden Vergleichen: Philipp und Grifo können nicht ersetzt werden. Allerdings scheint die Lücke nach fünf Spieltagen mit Sallai und Waldschmidt besser geschlossen zu sein als mit Kapustka und Kent.

 

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