SC Freiburg - VfL Wolfsburg 0 : 2

1. Aufstellung

Im Vergleich zum Spiel gegen Schalke gab es keine personellen Wechsel. Dafür änderte sich das System. Koch rückte von der Innenverteidigung ins zentrale Mittelfeld auf, wodurch Sierro aus dem zentralen ins offensive Mittelfeld rutschte. Bei eigenem Ballbesitz ergab sich also ein 4-2-3-1, gegen den Ball blieben beide Flügel tief und Sierro presste mit Petersen in der vordersten Linie: 4-4-2.
Die Umstellung von Dreier- auf Viererkette, hatte mit dem Gegner zu tun. Da Wolfsburg in einem 4-3-3 spielte, hätte der Sportclub mit einem 5-2-3 eine Unterzahl im Mittelfeld gehabt.

------------Petersen----------
Kath-----Sierro----Haberer
------Höfler-----Koch--------
Günter---------------Stenzel
---Söyüncü-------Gulde----
-----------Schwolow---------

Auf der anderen Seite ging Labbadia mit seinem Personal ein kleines Risiko ein. Die beiden Starspieler Malli und der angeschlagene Didavi waren gemeinsam auf dem Platz, was sich ziemlich schnell auszahlen sollte.

2. Das Spiel

Eine etwas fahrige Anfangsphase des Sportclubs wurde sofort bestraft. Beim ersten Wolfsburger Angriff klärte Gulde etwas unkonventionell ins Seitenaus. Beim darauffolgenden Spielzug war es leider wieder Gulde, der den Ball nicht richtig wegschlug, wodurch Didavi in dessen Besitz kam. Obwohl etwa fünf Freiburger um ihn herum standen, konnte der Wolfsburger abschließen und traf aus circa 18 Metern präzise ins lange Eck. Schwolow hatte keine Chance.

Das veränderte die Ausgangslage natürlich. Die Wolfsburger, die in den vergangenen letzten drei Spielen nicht getroffen hatten, konnten sich nun mit bestem Gewissen auf das Verteidigen konzentrieren und auf Konter hoffen. Dabei liefen sie selten aggressiv die Freiburger Innenverteidigung an, sondern blieben meist kompakt und abwartend in der eigenen Hälfte.

Der SC Freiburg war also vor Aufgaben gestellt, die einiges an Balance und Geduld erforderten. Die erste Teilaufgabe, das Spiel an sich zu reißen und den Ball zu kontrollieren, wurde schnell erledigt. Nach etwa zehn Minuten hatte man den Rückstand verdaut und kombinierte gut aus der eigenen Innenverteidigung heraus. Ein Beleg dafür ist auch, dass es dieses Mal Höfler war, der die meisten Ballkontakte hatte und keiner der beiden Innenverteidiger. Am Ende sollten es 60% Ballbesitz für den SC werden. Die zweite Aufgabe, beim Spiel mit dem Ball nicht ständig durch Ballverluste in Konter zu laufen, bewältigte der Sportclub in der ersten Halbzeit ebenfalls gut. Nur die dritte Aufgabe, aus dem Ballbesitz heraus auch größere Torchancen zu generieren, konnte nicht erfüllt werden. Selbst aus den sechs Ecken in der ersten Halbzeit entstand nur ein Kopfballabschluss von Gulde.

In der zweiten Hälfte versuchte der Sportclub etwas direkter ins letzte Drittel zu kommen. Es wurden mehr lange Bälle gespielt, ohne aber das strukturierte Aufbauspiel ganz aufzugeben. Wolfsburg hatte dadurch mehr Gelegenheiten und es entstand ein etwas offeneres Spiel. Wie schon gegen Schalke kam Sierro immerhin zu einer Schusschance aus guter Position (zentral an der Strafraumgrenze), die er leider wieder nicht nutzen konnte.

Ab der 75. Minute ging Streich noch mehr ins Risiko. Kleindienst kam für Kath und man spielte ein richtiges 4-4-2, mit zwei echten Stürmern und Sierro auf der Seite, der in der 81. Minute dann durch Kapustka ersetzt wurde. Diese Wechsel hatten die erwartete Auswirkung. Einerseits konnte Freiburg etwas mehr Druck in der Offensive ausüben, andererseits gab es für Wolfsburg viel Platz bei eigenen Angriffen. In der 83. Minute entschied Didavi das Spiel. Nach einem langen Abschlag von Casteels kam der Ball zu Origi auf den rechten Flügel. Dieser dribbelte Söyüncü aus und spielte eine flache Hereingabe in den Strafraum, welche zum Tor führte.
Auch wenn Freiburg danach noch zu einer Kopfballchance von Kleindienst kam und sogar noch einen Strafstoß erzwang, blieb die große Schlussoffensive aus.

Fazit:
Wolfsburg ging früh in Führung und überließ dem Gegner daraufhin das Spiel. Der Sportclub hatte danach zwar viel Ballbesitz und Spielkontrolle, konnte sich allerdings kaum Chancen herausspielen. Selbst die vielen Standards blieben erstaunlich harmlos. In dem Moment, als sich für Wolfsburg Räume auftaten, nutzten sie diese sofort, um das Spiel zu entscheiden. Der Sportclub zeigte – wie so häufig – gute Ansätze, gerade im Pressing und Spielaufbau, blieb aber viel zu ungefährlich im Angriff.

3. Die Offensivprobleme

Schon seit Wochen hat der SC Freiburg Probleme damit, sich eigene Torchancen herauszuspielen. So deutlich wie in diesem Spiel war es aber selten. Die frühe Führung des Gegners und dessen abwartende Herangehensweise beim Verteidigen führte dazu, dass der Sportclub über 80 Minuten kontrolliert angreifen konnte. Andererseits ergaben sich dadurch nur wenige Räume und die Freiheiten, die Günter oftmals hat, mussten erst erspielt werden. Das funktionierte nur in Ansätzen. Der Spielaufbau des SC wird immer diagonaler, was positiv ist. Häufig läuft der Ball von Stenzel übers Zentrum zur linken Offensivseite. Kath hatte dadurch schon in der ersten Halbzeit einige Distanzschüsse, von denen aber keiner auf das Tor kam.

Der Sportclub ist aber an einem Punkt angekommen, an dem die lange Erfolgslosigkeit eine gewisse Eigendynamik entwickelt. In der letzten Saison und in der Hinrunde war es noch üblich, dass der Ball vom Zentrum (Höfler) auf die Außen und dann wieder flach ins Zentrum vor den Sechzehner (Zehner-Raum) gespielt wurde, um sich von dort aus in den Strafraum zu kombinieren. Diese letzte Kombination funktionierte aber schon länger nicht mehr und man verlor meisten den Ball. Der Grund dafür wurde schon häufiger ausgeführt: es fehlt momentan an genügend kombinationsstarken Spielern. Ravet, Niederlechner und Frantz sind verletzt, Grifo und Philipp spielen bei Dortmund und Gladbach. Dadurch, dass dieser Spielzug schon so lange nicht mehr erfolgreich war, wurde der Raum in dieses Mal gar nicht mehr angespielt. Stattdessen versuchten es Stenzel und vor allem Günter mit Flanken in den Strafraum. Insgesamt wurden 30 Bälle von Außen hineingeflankt (Standards inklusive), aber kaum einer davon kam beim Mitspieler an. Das lag nicht einmal daran, dass es besonders schlechte Hereingaben waren. Flanken sind einfach das am wenigsten effektivste Mittel, um ein Tor zu erzielen und sehr leicht zu verteidigen.

Langsam ist es ein wenig zum Verzweifeln, da es keine schnelle Lösung gibt, die weiterhelfen könnte. Auf der Pressekonferenz sagte Streich, man trainiere zu 80% die Offensive, die Freiburger Standardstärke, die vor allem zu Beginn der Rückrunde Punkte brachte, scheint momentan verschwunden und die Spieler, die vielleicht das Offensivspiel beleben könnten, waren so lange verletzt, dass man nicht davon ausgehen kann, sie wären gleich beim ersten Einsatz eine tragende Säule.
Die Idee, man müsse mehr Spieler in die Offensive stellen, ist nicht falsch, aber enorm riskant. In den letzten 15 Minuten gegen Wolfsburg konnte man sehen, wie viele Räume sich dabei öffnen. Und einen frühen Rückstand, der dadurch entstehen könnte, gilt es gerade in dieser Situation zu vermeiden. Zu Recht spricht Streich davon, dass man die Balance suchen muss. Günter und Stenzel waren auch in diesem Spiel schon halbwegs offensiv ausgerichtet, Koch stieß immer wieder bei Flanken mit in den Strafraum und selbst Söyüncü ging in einigen Szenen mit dem Ball am Fuß weit in die gegnerische Hälfte. Noch mehr Mut wird dann zur Tollkühnheit.

Es bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass trotz all dieser Probleme irgendwann doch ein Tor fällt. Vielleicht durch einen Standard oder einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte, bei dem man nicht mehr so viele Pässe für einen Abschluss benötigt. Oder es kommt doch eine der vielen Flanken an, beziehungsweise wird zu kurz abgewehrt und es gibt einen Nachschuss.
Ginge man gegen Mainz, Köln oder Hamburg in Führung, würden sich vielleicht auch wieder so viele Räume bieten, dass man sich Chancen herausspielen kann. Dies könnte wiederum zu etwas mehr Selbstbewusstsein führen und eine neue Eigendynamik auslösen. All dies ist nicht sehr wahrscheinlich, aber dennoch möglich.

Es ist schwer darum herumzureden: der SC Freiburg hat ein immenses Offensivproblem. Positiv hervorheben kann man aber, dass es das Fundament für Abschlüsse durchaus gibt: man kommt ins letzte Drittel, hat bei Ballverlust gute Gegenpressingmechanismen und ein diszipliniertes Rückzugsverhalten und es gibt auch einen Stürmer, der herausgespielte Chancen durchaus verwerten kann. Was – auch gerade im Vergleich zum Dezember – fehlt, sind kluge Entscheidungen in der Offensive, richtige Laufwege und Passgenauigkeit. Nun hat das Freiburger Team Zeit bis Montagabend, um diese Abläufe wieder einzustudieren...
… oder tatsächlich ganz umzustellen, sich auf das Verteidigen zu konzentrieren und lange Bälle zu schlagen.

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Kommentare

Hody (nicht überprüft)

Das Kern Problem ist einfach dass Freiburg /wir zuviele "Ball Schubsen" haben. Daher Fussballer mit guten Ansätzen gute Arbeit gegen den Ball und Taktik. Es fehlen noch aber die kreativen, diese verlassen den SC jedes Jahr und werden durch eher biedere Spieler ersetzt. Weisst ein Spieler kreativ Potential auf, arbeitet aber schlecht gegen den Ball ist er Aussen vor. Siehe Kent oder Kapustsa.
Mir völlig schleierhaft warum stattdessen Kath spielt. Oder warum Stenzel nun auf einmal die Ecken tritt wenn es zuvor mit Günter ab und an Tore gab.
Ich hoffe der SC verzockt sich mit seiner Sicherheitsstratgie nicht

Autor

Ich würde Dir teilweise widersprechen. Zunächst sind wir uns aber auf jeden Fall einig, dass es in der Offensive an Kreativität fehlt und die Abgänge nicht ansatzweise ersetzt werden konnten.

Zu Kapustka hatte Streich was auf der letzten Pressekonferenz gesagt. Er betonte, dass das Problem nicht die Arbeit gegen den Ball wäre. Vielmehr fehle ihm die Konstanz mit dem Ball. Dass seine Aktionen zwar Potenzial hätten, er aber zu oft dann die falsche Entscheidung treffen würde. Glaubt man Streich, würde Kapustka nicht unbedingt mehr Kreativität ins Spiel bringen als andere. Bei Kent ergab sich ja ein ähnliches Bild. Auch wenn seine Explosivität beeindruckend war, konnte er das Freiburger Spiel nicht unbedingt verbessern. Aber bei beiden ist das schwer zu beurteilen, da man sie so selten sieht.

Man darf nicht vergessen, dass Niederlechner, Grifo und Philipp, aber zum Beispiel auch Kruse, nicht nur mit dem Ball herausragend waren, sondern auch gegen den Ball einiges abspulten. (Niederlechner kommt ja nächste Saison hoffentlich wieder zurück.)

Bei den Ecken kann ich wenig sagen. In diesem Spiel haben ja Günter und Stenzel Ecken geschlagen. Besonders gefährlich war keine. Leider.

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