SC Freiburg - VfL Wolfsburg 3 : 3

1. Aufstellung und Spielanlage

Am Samstag empfing der SC Freiburg den VfL Wolfsburg zum 21. Spieltag der Bundesliga im eigenen Stadion. Wie schon im Hinspiel setzte das Freiburger Trainerteam auf eine 4-4-2-Formation. Der verletzte Gulde wurde durch Lienhart ersetzt, der eine gute Leistung zeigte. Der angeschlagene Günter konnte spielen.

------Petersen------Niederlechner----
Grifo-----------------------------Haberer
--------------Koch----Frantz-------------
Günter-----------------------------Kübler
----------Heintz----------Lienhart-------
----------------Schwolow----------------

Bemerkenswert war noch, dass Frantz seit längerem mal wieder im Zentrum spielte und Haberer dafür auf den rechten Flügel vorrückte.

Eine prinzipielle Herangehensweise für dieses Spiel ist etwas schwerer herauszustellen als sonst, da der Sportclub dreimal in Rückstand geriet und dreimal den Ausgleich erzielen konnte. Musste der SC ein Tor aufholen, spielte er tendenziell ein offensiveres Pressing und konstruktiver in eigenem Ballbesitz.

Doch auch zu Beginn des Spiels – vor dem 0:1 – merkte man schon eine Veränderung zum Spiel gegen Stuttgart. Gegen den Ball rückten Petersen und Niederlechner, häufig mit der Unterstützung von Grifo und Haberer, weit raus, um Brooks und Knoche unter Druck zu setzen. Es gelang ihnen auch mehrmals den Ball zu Casteels zu lenken und gegen ihn einen langen unkontrollierten Ball zu erzwingen. Allerdings gab es auch mehrere Aufbausituationen der Wolfsburger, die der SC nicht unterbinden konnte. Das lag aber auch daran, dass es Labbaias Mannschaft sehr gut machte. Brooks und Knoche positionierten sich häufig sehr breit, wodurch Niederlechner und Petersen auseinandergezogen wurden. So konnte Wolfsburg manchmal den Pass ins Zentrum auf Guilavogui spielen und von dort aus weiter. Ohnehin war das Duell vom Spielaufbau des Gegners und Pressing der Freiburger auf einem deutlich höheren Niveau als beim letzten Spiel gegen Stuttgart.

Mit dem Ball war der SC auch schon vor dem ersten frühen Rückstand wieder etwas konstruktiver. Abschläge wurden häufiger wieder kurz ausgeführt. Koch ließ sich meistens zwischen Lienhart und Heintz fallen, um eine tiefere Ballzirkulation zu ermöglichen. Interessant war, dass Grifo größtenteils auf der linken Seite blieb und sich nicht zentral etwas tiefer anbot. Der Spielaufbau lief somit passenderweise auch von einem Innenverteidiger (meistens durch einen Diagonalpass) über die Außen.

2. Spielverlauf

Freiburg kam mit dem eigenen hohen Pressing die ersten fünf Minuten ganz gut ins Spiel, allerdings ohne sich einen Abschluss zu erspielen. Auf der Gegenseite stellte sich Wolfsburg ziemlich schnell auf das offensive Anlaufen ein und bekam etwas mehr Kontrolle. Zwei Abschlüsse von Weghorst konnten früh im Spiel noch geblockt werden. Der dritte gelungene Angriff – über die rechte Freiburger Seite – führte allerdings schon zum Tor. Haberer unterstützte die Stürmer im Pressing, setzte Brooks (linker IV) unter Druck, der somit um die Formation auf Brekalo (linker Flügel) spielen konnte. Währenddessen hatte sich Roussillon (Linksverteidiger) weit von seiner Position entfernt und in den Strafraum abgesetzt, wurde dort angespielt und schoss das 0:1. Dieser Spielzug hätte zwar verteidigt werden können, da Frantz und Koch schon in der Nähe standen, war aber auch sehr klug durchgeführt. Da Koch und Frantz sich eher auf die Achter Arnold und Gerhardt fokussieren sollten, fühlte sich niemand so richtig zuständig für Roussillon, der plötzlich zentral in Szene trat. Ein Linksverteidiger, der im Strafraum den Abschluss sucht, hatte den SC schon letzte Woche gegen Stuttgart vor Probleme gestellt, als Insua ohne direkten Gegenspieler den Ausgleich erzielen konnte.

Nach dem Rückstand in der 11. Minute kam der SC wieder besser ins Spiel. Unter anderem auch deshalb, weil Wolfsburg etwas tiefer stand und Lienhart, Koch und Heintz etwas mehr Zeit im Spielaufbau hatten. Zusätzlich intensivierte der Sportclub das Pressing noch. Der Ertrag hielt sich zunächst in Grenzen. Lienharts Distanzschuss aus über 30 Meter wurde zur Ecke abgefälscht. Dies war aber auch der erste Abschluss nach 22 Minuten. Vier Minuten später versuchte es Haberer ebenfalls aus der Distanz. In der 37. Minute war es auch keine herausgespielte Chance, die den Ausgleich brachte, sondern ein Ballgewinn nach Gegenpressing: Heintz klärte mit einem langen Ball, Brooks konnte diesen nicht gut kontrollieren, Niederlechner nahm ihm den Ball ab, legte quer zu Grifo, welcher sehr hübsch ins lange Eck einschoss.
Die Phase nach dem ersten Rückstand war aus Freiburger Perspektive recht gut. Man hatte Spielkontrolle, kam zwar zu wenigen Abschlüssen, ließ aber auch kaum welche für den Gegner zu.

Nach dem Ausgleich übernahmen die Gäste wieder zu großen Teilen die Spielkontrolle und Freiburg wurde häufiger an den eigenen Strafraum gedrückt. Brekalos Chance konnte gerade noch von Lienhart abgefälscht werden und Günter hatte nach einem Schnellangriff einen sehr heiklen Zweikampf im Strafraum, der weder zu einem Tor noch zu einem Strafstoß führte. Die Halbzeitpause stellte keine große Veränderung dar, auch wenn der Sportclub bis zur 60. Minute größere Chancen Wolfsburgs verhindern konnte. Dann kam Schwolow zu seiner einzigen Parade im Spiel, nach einem sehr schönen Kopfball von Steffen.
(Ohnehin konnten sich die beiden exzellenten Torhüter Casteels und Schwolow nur selten auszeichnen. Beide hatten jeweils eine Parade, hatten bei den insgesamt sechs Gegentoren aber kaum eine Möglichkeit diese zu verhindern.)

Nur zwei Minuten später gab es einen sehr berechtigten Strafstoß. Koch hatte nach einer Flanke Weghorst zu Boden gezogen. Der Stürmer verwandelte dann auch selber.

Nach dem erneuten Rückstand könnte man die obere Textstelle wieder einfügen. Freiburg wurde aktiver, Wolfsburg passiver, Chancen gab es trotzdem wenige. Sieben Minuten später köpfte Petersen allerdings das 2:2 nach einer schönen Ecke von Grifo auf den kurzen Pfosten. Beide Male konnte man sehen, dass Freiburg schon die Initiative ergriff, war von dem Ausgleich dann aber doch etwas überrascht, da er nicht durch kleinere Chancen angekündigt wurde.

In den vier Minuten zwischen Ausgleich und erneuter Führung machte der SC den Eindruck, dieses Mal aktiver bleiben zu wollen, rückte früh raus und versuchte eigene Situationen auszuspielen. Waldschmidt war auch schon für Frantz gekommen, wodurch Haberer ins Zentrum rückte und die Aufstellung insgesamt einen etwas offensiveren charakter hatte. Das Ergebnis blieb unverändert. Wolfsburg machte wieder den Führungstreffer. Allerdings gab es aber wirklich auch fast keine Möglichkeit, dieses Tor zu verteidigen. William gewann ein Dribbling gegen Günter und passte zu Weghorst, der mit seinem massiven Körper den Ball abschirmte und dann per Hackentrick zum einstartenden Steffen weiterleitete. Steffen schloss dann schön von rechts mit dem linken Fuß ins linke obere Eck ab (74. Minute). Bei der Vorlage war es wirklich eine sehr schöne Mischung aus Physis und Technik in einer Person.

Auch Wolfsburg wollte nach der dritten Führung ihre Spielweise ein wenig abändern und machte das sehr gut. Sie wurde nicht passiver, sondern versuchten über Ballbesitz die Führung zu verwalten. Hatte Freiburg mal den Ball, konnten sie aber dennoch Druck aufbauen, auch wenn Wolfsburg einmal durch Gerhardt zum Konter kam. In der 87. Minute erzielte Freiburg dann ein letztes Mal den Ausgleich. Nach einer in die Luft abgefälschten Flanke von Grifo, behinderte Petersen (regelkonform) Casteels dabei den Ball zu fangen. Nach etwas Gestochere, wurde der Ball abermals hoch in die Luft befördert, dann kontrolliert von (ich glaube) Haberer zu Petersen geköpft, von diesem mit der Brust zu Waldschmidt weitergeleitet und versenkt.

In der Nachspielzeit köpfte Lienhart das vermeintliche 4:3, aber Brych entschied auf strafbares Abseits gegen Heintz.

3. Fazit

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel konnte man zwei recht entspannte und zufriedene Trainer sehen.
Beide sprachen von einem guten und schwierigen Spiel. Labbadia war zufrieden, dass Wolfsburg einige Chancen erspielen konnte und bis auf die drei Tore fast nichts anderes zugelassen hatte. Streich betonte die Stärke der Wolfsburger und schien darüber erfreut gewesen zu sein, dass die Mannschaft das Spiel immer offen halten und am Ende sogar noch den Ausgleich schießen konnte.

Man muss wohl zugeben, dass Wolfsburg über 90 Minuten die bessere Mannschaft war, neben den sechs Toren die besseren Chancen hatte und insgesamt gerade beim eigenen Spielaufbau mehr Struktur zeigte. In den insgesamt 46 Minuten, in denen der Sportclub hinten lag, hatte dieser aber auch teilweise ein spielerisches Übergewicht. So kam es dann auch zu halbwegs ausgeglichenen Statistiken – wie gesagt mit leichten Vorteilen für die Gäste:

Torschüsse: 10 – 16
Schüsse auf das Tor: 4 – 4
Expected Goals: 0,79 – 1,92
Ballbesitz: 50% – 50%
Passquote: 76% – 77%

4. Felix Brych

Ich würde mich gerne dem Grundton der Aussagen beider Trainer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel anschließen. Es war ein schwieriges Spiel mit einigen kniffligen Szenen für den Schiedsrichter. Ich halte die Entscheidung gegen Heintz in der Nachspielzeit für hart, allerdings hatte der Sportclub in diesem Spiel vorher auch ein bisschen Glück bei der Auslegung von Brych bei Elfmeterszenen. Wenn die Trainer aber keine große Sache aus den strittigen Entscheidungen machen wollen, muss ich das sicherlich nicht für sie übernehmen.

5. Der Verlauf der Rückrunde

Der SC Freiburg hat in der Rückrunde nun aus vier Spielen zwei Punkte geholt und eine Tordifferenz von 8:12. Keine Mannschaft hat mehr Gegentore kassiert, aber nur Leverkusen, Bayern, Dortmund und Hoffenheim haben mehr Tore erzielt.

Die Gegentore: Obwohl es auch gegen Stuttgart und Wolfsburg 5 Tore des Gegners gab, ist ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen. Grobe individuelle Fehler wurden in diesen Spielen vermieden und insgesamt kamen Stuttgart und Wolfsburg zu weniger Chancen als Frankfurt und Hoffenheim. Trotzdem ist die defensive Stabilität in der Rückrunde noch ein offenes Problem.

Die Tore: 7 der 8 Tore erzielte der SC Freiburg in Rückstand, wenn man das Risiko etwas erhöhen musste. Allerdings zeigt dies, dass der Sportclub auch gegen tiefer stehende Gegner etwas mit dem Ball anfangen kann. Zudem kehrten auch endlich die Tore nach Ecken zurück. Drei Treffer nach vier Spielen sind beachtlich.

Zusatz: Lienhart machte ein gutes Spiel, war defensiv solide und sehr mutig mit dem Ball bei Pässen beziehungsweise wenn er an den Angreifern vorbeizog.

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